5 - Erlaubnis zur Ruhe

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00:00:00: Diese Folge ist für alle von euch, die sich erst hinsetzen dürfen wenn alles erledigt ist.

00:00:04: Für die die sich abends aufs Sofa legen und dann dieses Ziehen im Bauch haben, wenn in der Küche noch etwas steht... ...für die die um Urlaub am dritten Tag anfangen sich zu entspannen.. ..und am vierten schon wieder die Mails schicken!

00:00:15: Für die eine To-do Liste schreiben und sechs von zehn Sachen schaffen und sich abend über die Vier Ärgern liegen geblieben sind.

00:00:22: Für alle die insgeheim glauben sie müssen sich die Pause erst verdienen Hallo und schön, dass du da bist.

00:00:27: Und ja das werden wir jetzt mal zusammen anschauen.

00:00:30: Das was ich gerade gesagt habe, das fühlt sich ein bisschen komisch für mich an weil ich alle diese Sätze auch über mich selbst sagen könnte.

00:00:36: also dieser Podcast der soll ja auch so ein bisschen persönlichere Eindrücke geben und ich möchte auch nicht die Person sein die euch jetzt von oben herab erklärt wie ausruhen funktioniert.

00:00:44: Also ich bin da selbst doch mittendrin.

00:00:46: Ich bin zwar schon um einiges weiter als ich noch vor zwei Jahren war aber ich hab die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen.

00:00:51: Also worum geht es?

00:00:53: Es geht heute um etwas, das unter all dem liegt was man so über Entspannung und Regulation hört.

00:00:58: Um diese innere Erlaubnis die Ruhe zu gönnen ohne dass du jetzt dafür vorher irgendwas geleistet haben musst!

00:01:04: Weil das ist so ein Ding was mir lange keiner gesagt hat.

00:01:06: Ich hab' mir jahrelang Techniken angeguckt Atemübungen, Routinen... Was auch immer Und ich habe mich dann immer gewundert warum die nicht so richtig ankommen Und irgendwann habe ich gemerkt, dass das nicht an den Übungen liegt.

00:01:17: Das lag daran, dass ein Teil von mir immer dachte du solltest jetzt eigentlich was Sinnvolleres tun und deswegen fangen wir auch heute mal ganz unten an.

00:01:24: Ich will mit einem Wort anfangen, dass sich lange Zeit über mich gedacht hab nämlich dass ich faul bin Und ich weiß, dass das ganz viele neurodivagente Menschen über sich denken.

00:01:33: Manchmal versteckt es sich auch hinter anderen Begriffen.

00:01:35: Dann heißt es eher man hat nicht genug Willenskraft oder Disziplin oder Durchhaltevermögen.

00:01:40: Aber gemeint ist immer dasselbe Dieses Gefühl zwischen dem was ich eigentlich schaffen müsste und dem was am Ende wirklich so ging.

00:01:46: Also da dazwischen eine Lücke klafft und diese Lücke irgendwie immer meine Schuld ist.

00:01:51: Ich hab mich echt lange gefragt woher das kommt Also warum ich abends auf meinen Tag gucke und vor allem sehe, was nicht geklappt hat.

00:01:58: Ich schaffe sechs von zehn Sachen und denke na super wieder nicht alles geschafft Aber sechs Sachen an einem einzigen Tag und ich sitze da und ärger mich über die vier Und wenn ich das jetzt so ausspreche dann merke ich selber wie absurd es eigentlich ist.

00:02:11: aber in dem Moment fühlt sich das total logisch an.

00:02:14: Und was mir dabei irgendwann aufgefallen ist und was wirklich so ein Schock für mich war, dass ich einfach wie für einen Roboterplan.

00:02:20: Also wirklich wenn ich mir überlege was ich über den Tag schaffen will dann plane ich für eine Person die nicht müde wird, die keine Reize verarbeiten muss, die zwischen zwei Aufgaben nicht mal zwanzig Minuten Zeit braucht um sich umzuschalten.

00:02:31: Ich plane für die Version von mir die es gar nicht gibt und dann messe ich mich an dieser Version und wundere mich dann das ich verliere.

00:02:38: Ich glaube, in vielen von uns steckt so eine heimliche Vorstellung von einem Ort an dem endlich alles mal leicht wird.

00:02:44: So ein Zustand in dem alles erledigt ist wo die Wäsche gemacht ist der Kalender aufgeräumt, die Nachrichten beantwortet und ab.

00:02:50: da läuft dann einfach alles!

00:02:52: Und danach darf man sich ausruhen... ...und ich habe mich mein halbes Leben auf diesen Ort zu bewegt, in dem Glauben dass ich da irgendwann ankomme.. ..und wisst ihr was?

00:03:00: Diesem Ort den gibt es nicht.

00:03:01: Den hat noch niemand erreicht.

00:03:03: Also ich messe mich wirklich an einem Ort, den es einfach gar nicht gibt und deswegen komme ich da auch nie an.

00:03:08: Und deswegen darf ich mich auch nicht hinsetzen!

00:03:10: Und ja das ist so ein Hamsterrad in dem ich immer wieder gerannt bin... ...und dann kommt noch etwas dazu was sich für ganz zentral halten nämlich dieser Glaube dass sich das alles irgendwie hinkriegen muss.. ..und dass es an mir liegt Dass ich mich einfach besser organisieren müsste, dass sich mehr Disziplin bräuchte, dann klappt das schon.

00:03:26: Und diese Idee wird uns ja auch überall eingetrichtert!

00:03:28: Also streng dich an du schaffst das schon.

00:03:30: und dabei geht aber komplett unter wie für Unterstützung, wie viel Glück und wie viele gute Bedingungen jeder Mensch eigentlich braucht um durchs Leben zu kommen.

00:03:38: Ich habe jahrelang alles an mich gerissen.

00:03:40: Hab jede Aufgabe selbst gemacht hab nie um Hilfe gebeten Und dann bin ich abends zusammengeklappt und dachte, ich bin einfach zu schwach dafür.

00:03:48: Jetzt wird es ein bisschen fachlicher.

00:03:49: aber was da passiert ist eigentlich total einleuchtend wenn man's mal verstanden hat.

00:03:53: Unser Nervensystem braucht über den Tag Energie also ganz banal.

00:03:57: Bei uns verbraucht das einfach mehr.

00:03:59: Das ständige Filtern von Reizen, dass Anpassen in sozialen Situationen, das Vorausdenken, das Mitrechnen wie es dem gegenüber gerade geht.

00:04:07: Das läuft bei uns viel intensiver und kostet auch mehr Energie.

00:04:10: Und wenn dann noch das Maskieren umdrauf kommt, also dieses feine dauerhafte Anpassen an das was von außen erwartet wird.

00:04:17: Dieses Verbergen dessen was wirklich in die los ist.

00:04:20: Dann läuft im Hintergrund die ganze Zeit ein Programm mit dass einfach Strom zieht und das heißt du brauchst einfach mehr Erholung als die meisten Leute um dich herum.

00:04:28: Also nicht weniger sondern mehr!

00:04:30: Was mache ich?

00:04:31: Ich streiche jetzt erstes die Pausen und rehe genau an der Stelle an der am wenigsten Spielraum ist und dann wundere ich mich dass irgendwann gar nichts mir geht.

00:04:39: Wenn ich das ausspreche, dann klingt es fast schon lustig wie widersinnig das ist.

00:04:43: Und ich nehme das so ernst weil es geht hier nicht um ein bisschen Wohlfühlen.

00:04:47: Ihr kennt ja jetzt das Bild vom Toleranzfenster und dieser Bereich in dem ihr reguliert seid und klar denken und fühlen könnt.

00:04:54: Und Erholung ist genau die Zeit in der euer System überhaupt erst wieder in diesen Bereich zurückkommt.

00:04:59: Wenn die Zeit aber dauerhaft fehlt, bleibt das System einfach die ganze Zeit im höheren Bereich immer eine Spur zu angespannt oder schon im Rückzug und dadurch entsteht auf Dauer einfach diese Erschöpfung, die durch nichts mehr wirklich besser wird.

00:05:11: Beim autistischen Burnout ist es ja genau das.

00:05:13: also da tragen Leute einfach jahrelang das was einfach nicht zu ihnen passt ohne echte Erholungen und am Ende brechen Fähigkeiten weg die vorher noch selbstverständlich waren.

00:05:22: Ich musste selbst lernen, dass diese Willenskraft mit der ich mich immer wieder antreibe.

00:05:26: Dass das eine Ressource ist die sich verbraucht.

00:05:28: und jedes mal wenn ich mich gegen meine Müdigkeit zur nächsten Aufgabe zwingen Wenn ich meine Reizüberflutung weg drücke, wenn ich weiter lächel obwohl ich innerlich schon komplett leer bin dann greife ich auf diesen Vorrat zu Und er ist über den Tag oft so weit aufgebraucht bevor die eigentlichen Aufgaben es wirklich anfangen.

00:05:44: Wenn ich mir noch mehr Willens Kraft drauf packe dann arbeite ich gegen ein leeres System an und dabei kommt einfach selten mehr Leistung raus, sondern meistens eher ein tiefes Ausgelaugtsein.

00:05:55: Und deshalb ist eine der wichtigsten Arten von Ruhe für mich mittlerweile die Ruhe davon, mich selbst antreiben zu müssen also Momente in denen ich einfach gar nichts überwinden muss wo nichts vor mir verlangt wird auch nicht von mir selbst.

00:06:07: wirkliche Ruhe es auch vielmehr als schlafen oder sich auf so verlegen.

00:06:10: das ist ne Erkenntnis die für mich richtig viel verändert hat weil ich mich früher hingelegt habe und danach immer noch fertig war und dachte was stimmt denn mit mir nicht?

00:06:17: Ich hab' mich doch jetzt ausgeruht.

00:06:19: Es gibt nämlich einfach verschiedene Sorten.

00:06:21: Es gibt körperliche Ruhe, klar!

00:06:23: Es gibt Ruhe für den Kopf also Momente in denen man denken nicht sortieren oder voraus rechnen muss.

00:06:29: Gibt Ruhe vom Entscheidende weil jede kleine Entscheidung kostet einfach Kraft und ein Tag voller Mini-Entscheidungen kann richtig anstrengend sein ohne dass du es überhaupt merkst.

00:06:38: Und dann gibts noch zwei andere Sorten die auch super wichtig sind Sensorische Ruhe Also Zeit mit wenig Reizen gedämpften Licht stille kein Bildschirm kein Grundrauschen.

00:06:48: Für ein System, das den ganzen Tag reize ungefiltert aufnehmend ist oft erst diese tiefe Erholung des Wertvollste von einem.

00:06:54: Weil dieses ständige sich Einstellen auf andere einfach so viel Energie zieht und deshalb bringt es auch nichts mich hin zu legen während mein Kopf einfach weiter rennt und im Hintergrund dann noch der Fernseher läuft.

00:07:04: Da kann sich mein Körper zwar ausruhen aber meine Sinne und meinen Kopf die stehen einfach weiter unter Strom.

00:07:09: Und diese Frage die ich mir mittlerweile stell ist nicht mehr habe ich genug Pause gemacht sondern welche Sorten von Ruhe fehlen wir gerade eigentlich?

00:07:17: Also das ist wirklich noch mal ein Riesenunterschied.

00:07:20: Und dann ist da noch die Frage, warum ich mir das Ausruhen so selten erlaube?

00:07:23: Ich glaube bei vielen von uns hat es früh angefangen.

00:07:26: Vielleicht war... vielleicht was du das Kind, dass vor allem Dann-Anerkennung bekommen hat wenn es funktioniert und geleistet hat Das Gelob wurde für Fleis, für gute Noten fürs Zusammenreißen und dessen Erschöpfungen im Umfeld einfach keinen Platz hatte.

00:07:39: So lernt man als Kind ziemlich schnell, dass Pause etwas ist, dass man sich durch Leistung erkauft und der Wert an dem hängt, was man schafft.

00:07:46: Aber bei mir trifft das noch nicht den ganzen Punkt.

00:07:48: Also ja, es gibt das bei mir auch irgendwo aber wenn ich ganz ehrlich in mich rein heuche dann geht's bei mir gar nicht so sehr um mein Wert Es geht eher um Sicherheit.

00:07:57: Ich hab' das Gefühl Wenn ich genug schaffe Dann bin ich sicher!

00:08:00: Dann ist alles gut, dann kann nichts passieren und wenn ich nicht renne dann bricht irgendwas zusammen.

00:08:05: Und das ist ein irres Gefühl weil das Rational überhaupt keinen Sinn ergibt.

00:08:08: und trotzdem sitze ich abends da und kann nur runter kommen wenn meine Liste abgehakt ist.

00:08:12: Und während ich das sage, fällt mir auf dass es eigentlich so dasselbe Muster ist was sich neulich schon mal angesprochen habe.

00:08:18: Also dieses Bedürfnis, dass alles irgendwie vorhersehbar und unter Kontrolle ist.

00:08:22: Ich versuche mich über die Leistung einer Art Sicherheit zu bauen So nach dem Motto Wenn ich erst alles im Griff hab dann kann mich gar nichts mehr überraschen Und Ausruhen heißt ja die Kontrolle loszulassen.

00:08:32: Deswegen fühlt es sich für mich auch so bedrohlich an.

00:08:35: Und dann kommt bei mir auch noch so eine Angst dazu, die ich lange nicht so zugeben wollte.

00:08:38: Nämlich die Angst dass wenn ich mir das Ausruhen erst mal erlaube, dass sich dann gar nicht mehr aufstehe.

00:08:43: Dass es nur noch liegt, dass aus einer Pause einen abrutschen wird.

00:08:47: Also dass die Strenge das Einzige ist was mich zusammenhält und wenn ich loslasse denn fällt auf einmal alles auseinander.

00:08:52: Kennst du das auch?

00:08:53: Diese Angst dass ihr eigentlich total faul wärt und euch nur diese Disziplin davor rettet.

00:08:58: Aber da habe ich auf jeden Fall eine gute Nachricht, denn dazu gibt es Forschung bei Menschen die freundlicher mit sich umgehen.

00:09:03: Die werden dadurch nicht antriebslos sondern sogar im Gegenteil selbst mit Gefühl hängt mit hohen eigenen Ansprüchen zusammen und sogar mit mehr Eigeninitiative Und es senkt gleichzeitig diese selbstzerstörerische Form von Perfektionismus also dieses Sich zerfleischen wegen jeder Kleinigkeit.

00:09:19: Menschen, die sich mit Wärme begegnen, setzen sich also weiterhin Ziele und strengen sich an.

00:09:24: Sie tun es nur einfach aus einem anderen Antrieb heraus – und ist beruhigt auch noch körperlich!

00:09:29: Also mehr Selbstmitgefühl geht mit einer höheren Herzratenvariabilität einher.

00:09:33: Also mit genau der Flexibilität im Nervensystem um dies hier die ganze Zeit übergeht... Und es hängt sogar mit besserem Schlaf zusammen.

00:09:40: Also mehr Strenge gegen mich selbst hat mich vielleicht lange angetrieben, aber sie hat mir auch verdammt viel Kraft gekostet und Freundlichkeit mir gegenüber bringt mich genauso voran und schont mein System dabei aber gleichzeitig.

00:09:51: Ich finde das richtig erleichtern, dass man wirklich in der Studie zu sehen, dass sich jemand damit wirklich auseinander gesetzt hat und das erforscht hat, weil dieser Gedanke ich brauche die Stränge sonst falle ich zusammen, der hat mich echt fest gehalten!

00:10:03: Wenn die Forschung sogar sagt, dass Wärme dir gegenüber dich sogar handlungsfähig gemacht Dann würde ich sagen, probier es doch einfach mal.

00:10:10: Und ich weiß dass das für viele so ein Kopfding ist dieses Selbstmitgefühl.

00:10:13: deswegen mache ich das mal ganz konkret.

00:10:15: also stell dir vor eine gute Freundin sitzt völlig fertig neben dir und sagt ihr sie hat heute nichts geschafft.

00:10:21: würdest du zu ihr sagen denn reist dich einfach mal zusammen?

00:10:24: Ich glaube nicht.

00:10:25: man würde wahrscheinlich eher sagen Mensch du trägst grad echt viel klar bist du am Ende setz dich hin ich mach dir einen Tee und genau mit dieser Stimme darfst du auch lernen mit dir selbst zu reden.

00:10:35: Ich war da wirklich schlecht drin und das kann ich dir auch ganz ehrlich sagen.

00:10:38: Diese kritische Stimme ist bei mir oft viel lauter und viel schneller, aber ich übe das indem mich immer mal wieder ganz bewussten freundlichen Satz zu mir selbst sag' Und der muss sich ja gar nicht echt anfühlen am Anfang Das kommt mit der Übung sowie eine Sprache die man erst lernt und die sich dann irgendwann ganz vertraut anfühlt.

00:10:54: Und da ist noch eine Sache, die ich lange überhaupt nicht auf dem Schirm hatte und die hängt auch eng mit dem Ausruhn zusammen.

00:11:00: Nämlich dass ganz viele Menschen sich einfach deshalb sicher fühlen und nicht rennen müssen weil sie ein Netz haben, weil sie Aufgaben abgeben, weil Sie fragen ob jemand mitkommt, mit anpackt, mitdenkt... ...und Ich hab das jahrelang für ne Charaktereigenschaft gehalten so nach dem Motto Die sind halt entspannter als ich.

00:11:17: Dabei haben sie häufig einen anderen Umgang mithilfe.

00:11:20: Ich habe neulich erst wieder gemerkt, wieviel ich an mich reiße.

00:11:22: Was ich gar nicht an michreißen müsste!

00:11:24: Also Sachen bei denen andere Menschen in meinem Leben absolut bereit wären sie zu übernehmen und ich nehme sie ihnen aus der Hand und baue sie in mein eigenes System ein.

00:11:33: Einfach weil ich glaube dass es sonst nicht gemacht werden würde oder weil ich das Gefühl hab' ich müsste das können.

00:11:38: Und der Preis dafür ist, dass ich mich dann eben nicht ausruhen kann Weil ihr alles an mir hängt An mir, weil ich es mir selbst so aufgebaut hab.

00:11:45: und ich will dir das unbedingt sagen weil ich glaub', dass dafür viele so eine riesige Erleichterung drin liegt.

00:11:50: Wenn ich Sachen abgebe, dann wird meine Liste kürzer.

00:11:53: Und wenn meine Leste kürzer wird, kann ich mich früher hinsetzen!

00:11:56: Aber ganz ehrlich, dieses Umhilfe-Bitten ist für mich manchmal noch schwerer als die Pause selbst.

00:12:01: Aber jedes einzelne Mal wo ich das geschafft habe, hab' ich danach gedacht, warum habe ich das nicht schon viel länger so gemacht?

00:12:06: Aber da gibt es noch eine Falle, in die wir mit unserem Hang zu Systemen immer wieder gerne tappen.

00:12:11: Nimm sich das Optimieren und ich sage euch – Ich bin da wirklich Weltmeisterin drin!

00:12:15: Also Struktur ist ja erstmal super für ein neurodivergentes Gehirn.

00:12:18: Sie gibt halt, sie nimmt Entscheidungen ab, sie schont die Energie aber irgendwann kippt er's bei mir.

00:12:24: Dann wird aus diesen hilfreichen Stückchen Struktur ein Projekt, indem ich mich andauern selber verbessern will.

00:12:30: Und dann kommt dieser Kreislauf, den ihr vielleicht kennt.

00:12:32: Ich baue mir mühsam eine Routine auf sie trägt ne Weile und dann zerfällt sie.

00:12:36: Dann verurteile ich mich dafür, dann fange wieder von vorne an... ...und das habe ich super lange als mein persönliches Versagen gesehen.

00:12:43: Dabei liegt es einfach daran dass starre Systeme und ein Gehirn des Abwechslung und Interesse braucht auf Dauer einfach schwer zusammenpassen.

00:12:50: Diese Routine war nie das Problem Aber diese Erwartungen sind für immer perfekt durchzuhalten.

00:12:55: Die war's.

00:12:56: Und das Fieseste ist, dass dieses Optimieren nicht mal vor der Erholung halt macht.

00:13:00: Auf einmal soll die Pause super effizient sein, die Morgenroutine soll perfektioniert werden, die Entspannungen sollen möglichst viel bringen – am besten noch mit App und Auswertung!

00:13:10: Und damit mache ich aus diesem einen Ort der frei von Anforderungen sein sollte wieder eine Aufgabe.

00:13:15: Also Ruhe sollte zwecklos sein.

00:13:18: Sie darf einfach nur schön sein ohne dass sie irgendetwas bringt.

00:13:21: Und gerade dieses Zwecklose ist für mein System oft das heilsamste, weil da endlich der ganze Druck rausgeht.

00:13:27: Aber da hängt noch etwas dran, dass ich echt erst lernen musste!

00:13:30: Ich habe lange gedacht wenn ich mir jetzt eine Pause gönne dann muss sich das hinterher alles wieder reinholen also danach umso mehr schaffen.

00:13:37: Also Erholung war für mich so ne Art Kredit den ich später zurückzahle und dieses Aufrechnen darf einfach aufhören.

00:13:44: Ich darf mir jetzt Ruhe geben wie ich mir Wasser gebe wenn ich Durst hab ohne Gegenleistungen oder Bedingungen.

00:13:49: Niemand käme auf die Idee, sich das Trinken erst verdienen zu müssen.

00:13:53: Und mit der Erholung sollte es genauso sein!

00:14:17: Manchmal ist genau das, was andere für Zeitverschwendung halten würden.

00:14:20: Für dich genau die richtige Erholung weil sie dich aus dem Anforderungsmodus rausholt.

00:14:25: Es lohnt sich nur mit der Zeit zu merken welcher Art von Pause dich wirklich aufgeladen zurücklässt und welche dich eher Lehrer macht.

00:14:31: Das ist ein wirklich feiner Unterschied aber den kannst du nur selbst spüren.

00:14:35: Und was ich in diesem Zusammenhang total spannend finde ist dieses Urlaubsphänomien Also dieses Ding dass man häufig im Urlaub wo man am wenigsten leistet das meiste Geld ausgibt also der entspannteste Mensch der Welt.

00:14:47: Ich brauche häufig zwei, drei Tage dann bin ich komplett raus aus meinem System.

00:14:51: Dann lege ich irgendwo und mir wird gar nicht einfallen dass sich jetzt irgendwas leisten muss.

00:14:55: Dann komme ich nach Hause und in paar Tagen bin vielleicht noch dieser Mensch Dieser entspannte weiche Mensch der ich bin wenn kein Druck da ist.

00:15:02: Und dann ganz langsam schleicht sich wieder alles ein Die Listen die Ziele das Tempo und irgendwann bin ich wieder komplett in diesem Käfig den ich mich selbst gebaut habe.

00:15:11: Und das zeigt mir eigentlich zwei Sachen.

00:15:13: Erstens, ich bin dieser entspannte Mensch auch!

00:15:15: Das ist keine Ausnahme und keine Urlaubsversion von mir.

00:15:18: Das ist einfach Diversion die herauskommt wenn ich mir keinen Druck mache.

00:15:22: Und zweitens Ich baue mit diesem Käfig offenbar selbst weil im Urlaub ist dann niemand der mir diese Liste wegnimmt.

00:15:28: Ich lasse sie einfach da obwohl ich davon auch einiges im Urlaub erledigen könnte... ...und zu Hause hole ich mich sie dann freiwillig wieder zurück.

00:15:35: Und was ich daraus mitnehme, ist dass sich diese Urlaubsmomente auch im Kleinbrauche mitten im Alltag und eben nicht nur einmal im Jahr.

00:15:43: Also so kleine Ausschlüge aus dem Alltag raus.

00:15:46: Etwas das mit nichts verrechnet wird!

00:15:48: Und ich merke, wenn es mir das gäbe, dann geht es mir sofort anders – auch mitten in einer vollen Woche.

00:15:54: So jetzt kommt noch ein Werkzeug, das für mich super viel verändert hat... Von all diesen Bedürfnissen nach Fürsorge, die jeder Körper hat gibt es wahrscheinlich ein oder zwei, die besonders viel ausmachen.

00:16:04: Und wenn genau dieses eine bedürfnis gefüllt ist dann wird auf einmal ganz vieles leichter.

00:16:08: Wenn es aber fehlt gerät alles ins Wanken und dieses Bedürfen kann bei jedem komplett anders sein.

00:16:13: für die eines ist Schlaf, wenn der stimmt dann trägt sich fast alles.

00:16:18: für die anderen ist das vielleicht Bewegung ohne die sie dünnhäutig werden.

00:16:22: für anderes ist es vielleicht ein bestimmter Grad an Autonomie gegeben sein muss.

00:16:26: Ich finde das so faszinierend, wie unterschiedlich das ist.

00:16:28: Ich kenne Leute für die es soziale Zeit des Kernbedürfnis und die beschreiben es so dass wenn dieser Bereich stimmt, dass alles andere im Leben auf einmal okay ist.

00:16:37: Und genau so fühlt es sich an, wenn du deinen Kernbedirfnis triffst.

00:16:41: Es macht einfach dieses ganze übrige machbar!

00:16:44: Und falls du dich fragst was es vielleicht bei dir ist dann würd ich dir vorschlagen dass du's einfach die nächste Woche mal neugierig ausprobierst.

00:16:50: Achte einfach mal darauf nach welchen Dingen sich dein Tag vielleicht ganz anders anfühlt.

00:16:55: Manchmal merkt man beim Reinspüren erst mal gar nichts.

00:16:57: Das ist auch vollkommen okay, dann geht es vielleicht eher über Beobachtung und manchmal ist das was du vermutest vielleicht auch gerade schwer erreichbar.

00:17:04: schlaft zum Beispiel wenn ein kleines Kind im Haus ist oder Zeit für dich wenn dein Alltag einfach so voll ist.

00:17:10: Auch das darf sein schon zu wissen was dir eigentlich fehlt ist ein großer Schritt weil du dann einfach ganz gezielt danach suchen kannst Und sehr vorsichtig mit den anderen Leuten die vielleicht felsenhaft überzeugt sind dass ausgerechnet ihr Weg der einzig richtige Für alle.

00:17:24: Wer für sich dieses eine große Bedürfnis gefunden hat, der kann auch schnell zur Predigerin werden und findet auch schnell Belege dass genau dieses eine Ding also vielleicht die Kälte des Sport das Fasten für jeden das Allerwichtigste ist.

00:17:37: Also du kannst es als Anregung nehmen aber probier wirklich aus was dich anspricht und vertraue am Ende nur darauf was wirklich bei dir wirkt.

00:17:45: Dein Kernbedürfnissen ist deins und es kann sich komplett von dem der anderen unterscheiden und es können sich auch über deine Lebensphasen verändern.

00:17:53: Was mir übrigens auch total drückgenommen hat ist zu verstehen, dass mein Bedarf schwankt.

00:17:58: In einer ruhigen Phase komme ich mit voll wenig aus und in einer intensiveren Phase – mit viel Verantwortung, wenig Schlaf, mit großen Umbrüchen – da braucht man System auf einmal vier mehr!

00:18:08: Eine Sache hat mich super lange verwirrt nämlich dieses ganz oder gar nicht.

00:18:12: Ich kann nämlich super schwer loslassen.

00:18:14: Entweder ich funktioniere und renne und hab' mich im Griff Oder ich lasse komplett bloß Und liege drei Tage flach und alles bleibt liegen und dazwischen gab es für mich ganz lange nichts.

00:18:24: Und ich glaube, das ist auch ein Grund warum ich so Angst vor dem Ausruhn hatte weil ich es nur in dieser extremen Form kannte also entweder Vollgas oder Totalausfall.

00:18:34: Was ich jetzt gerade übe, ist dieser Mittelweg Also mal ein bisschen langsamer machen ohne gleich alles hinzuschmeißen Mal eine Sache streichen ohne den ganzen Tag abzusagen!

00:18:44: Ich sag dir dass es wirklich für mich das Schwerste von allem Weil mein System dieses Dazwischens gar nicht kennt.

00:18:50: Aber ich merke, je öfter ich es probiere desto weniger schwer wird's einfach und desto seltener lande ich auch in diesem Totalausfall weil ich schon vorher abbremse.

00:18:58: Und was mir auch aufgefallen ist, dieser innere Antreiber der macht bei mir auch am Wochenende nicht halt.

00:19:03: Also selbst wenn ich eigentlich frei habe, ist da diese Stimme die sagt ja du könntest jetzt noch schnell die Wäsche machen und du könnt es jetzt noch alles aufräumen.

00:19:11: Ich hab lange gedacht das gehört einfach dazu bis mir aufgefallen dass sich damit nie wirklich einen freien Tag gebe.

00:19:17: also wenn überhaupt dann immer nur so halbfreie Tage an denen ein Teil von mir aber immer irgendwie auf Bereitschaft steht.

00:19:23: Und ein halbfreier Tag erholt mich aber auch nur halb so gut.

00:19:26: Deswegen versuche ich mittlerweile, mir wirklich so ganze Inseln zu geben wo gar nichts ansteht und es fühlt sich anfangs wirklich richtig falsch an Aber danach wirklich richtig gut.

00:19:36: Ihr habt ja jetzt im Kurs diese ganzen Werkzeuge kennengelernt.

00:19:40: Ich weiß ganz genau was jetzt bei vielen von euch vielleicht passieren wird weil das bei mir auch jahrelang genauso gelaufen ist.

00:19:46: Man denkt so, ja super mache ich und dann kommt dieser Gedanke.

00:19:49: Ich bringe jetzt erstmal diese eine Sache zu Ende die noch offen ist Und wenn alles erledigt ist, dann setze ich mich hin und dann nehme ich mir richtig Zeit und dann gehe ich so richtig schön in die Entspannung So mit allem drum und dran in Ruhe und ohne dass mir irgendwas im Nacken sitzt Und ich sage euch, dieser Moment der kommt nicht.

00:20:06: Der kommt einfach nicht!

00:20:07: Ich habe jahrelang auf diesen Moment gewartet und was passiert ist genau das worüber ich vorhin schon gesprochen hab.

00:20:13: Also ich renne auch auf diesem Ort zu an dem alles erledigt ist und dieser Ort existiert nicht.

00:20:17: Deswegen habe ich mich ja nie hingesetzt weil vorher war immer noch irgendwas offen.

00:20:21: Aber das absurde an der ganzen Sache ist dass genau diese Zeiten in denen wir denken dafür habe ich jetzt echt keine Zeit Genau die Zeiten sind in den wir es am dringendsten bräuchten Also in den Wochen, wo alles zu viel ist – wo ich nur noch renne und abends komplett durch bin.

00:20:37: Da habe ich als erstes diese kleinen Sachen die mich eigentlich runterbringen würden gestrichen.

00:20:41: Und ich ertappe mich da teilweise immer noch bei!

00:20:44: Wenn ich jetzt dann aber andersrum gemacht hab, wenn ich mich mitten in so einer stressigen Phase hingesetzt habe und wirklich einmal aktiv mein Nervensystem reguliert hat… Dann war das jedes Mal die beste Entscheidung.

00:20:54: Also mein Appell an dich ist, setz dich bitte auch gerade dann hin wenn es dir gerade zu viel ist.

00:21:00: Guck dir die Werkzeuge nochmal an und überleg dir auch ganz konkret was du davon in deinen Alltag einbauen möchtest so dass das wirklich zu dir passt.

00:21:07: Du kannst es auch an etwas dranhängen was du sowieso schon machst.

00:21:10: also so einen Vorsatz wie jeden Tag um siebzehn Uhr für eine halbe Stunde Das klappt genau drei Tage.

00:21:16: Also schau lieber wo an deinem tag sowieso so ne kleine Lücke ist.

00:21:20: Mach vielleicht zum Beispiel die vier, sieben, acht Atmung während dein Kaffee durchläuft.

00:21:25: Da steht man sowieso nur rum!

00:21:27: Der kann ich jetzt aufs Handy gucken aber ich kann auch atmen in der Zeit und weil das Kaffe machen jeden Morgen passiert, passiert die Atmungen eben auch jeden Morgen.

00:21:34: Und genauso wenn ich irgendwo warten muss an der Ampel oder in einer Schlange bis die Datei hoch lädt Das sind alles so kleine Momente die eh da sind und die man dann damit füllen kann.

00:21:44: Und was ich dir auch noch mitgeben will, du musst dich da nicht jeden Tag ewig lange mit beschäftigen.

00:21:49: Ganz im Gegenteil!

00:21:50: Es ist viel wichtiger dass es regelmäßig passiert als das es lang ist.

00:21:54: Unser Nervensystem lernt über Wiederholung... ...es lernt ach das machen wir jetzt öfter, das kenne ich, da darf ich runter kommen und diese Vertrauteid ist genau das was euch in diesen schweren Momenten trägt.

00:22:05: also lieber winzig aber dafür oft.

00:22:07: Das ist echt der ganze Trick bei der Sache.

00:22:09: Ich bin so gespannt wie das bei dir funktionieren wird Aber bleib bitte einfach dran Weil die Regulation des Nervensystems bringt einfach so viel, also was ich wirklich in den letzten Jahren am meisten gelernt habe ist dass sich das über ganz viele kleine wiederholte Erfahrungen verändert.

00:22:24: Jedes Mal wenn dich mir Ruhe gebe ohne sie mehr verdient zu müssen sage ich meinem System.

00:22:29: du bist es wert versorgt zu werden auch wenn du gerade nichts leistest und mit jedem mal wird dieser alte Stimme ein bisschen leiser und rechnet damit dass das schlechte Gewissen am Anfang mitkommt.

00:22:39: Das ist völlig normal und das ist auch kein Zeichen, dass du irgendwas falsch machst.

00:22:43: Du kannst diesen Gefühl einfach innerlich zunicken und sagen ich merke dich, du altes Unbehagen.

00:22:49: Gut, ich trotz hier mir jetzt mal aus.

00:22:50: Komm, leg dich einfach mit mir zusammen hierhin!

00:22:52: Was am Anfang auch helfen kann sind so kleine feste Erlaubnisse die man dann nicht jedes Mal wieder neu verhandeln muss also zum Beispiel einen Zeitpunkt am Abend wo nichts mehr von dir verlangt wird oder ein Tag in der Woche der bewusst einfach Lehrer ist Weil dann steht diese Antwort einfach schon fest und ich muss mir diese Pause nicht jedes Mal wieder aufs Neue genehmigen.

00:23:11: Also so was kann auch schon helfen für den Staat!

00:23:14: Und wenn du vielleicht in diesem Prozess merkst, dass deine Erschöpfung einfach schon richtig tief sitzt und das sich durch Ruhe allein da gar nichts mehr löst, dann nimm das bitte ernst und versuch dir Unterstützung dazu zu holen.

00:23:24: Also gut dich aus ganz ohne Grund.

00:23:27: und ja wir hören uns also bis bald und ich hoffe es geht dir gut.

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