4 - Das Ding mit der Ungewissheit
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00:00:00: Diese Folge ist für alle von euch, die nicht zur Ruhe kommen, solange irgendetwas offen ist.
00:00:05: Für die, die manchmal eine Nachricht bekommen mit den Worten wir müssen mal reden und dann für den Rest des Tages nicht mehr zu gebrauchen sind.
00:00:11: Für sie, die alle paar Minuten aufs Handy schauen wenn sie auf ein Ergebnis oder eine Antwort warten wo sie eigentlich ganz genau wissen das da noch gar nichts sein kann.
00:00:19: Für diese einen Plan im Kopf haben und wenn der kippt, denn kippte auf einmal das ganze Fundament mit.
00:00:24: Und für alle, die abends im Bett liegen und körperlich total durch sind.
00:00:27: Und deren Kopf trotzdem noch die halbe Nacht weiter rattert... ...und jede offene Frage einmal durchkaut.
00:00:32: Hey schön dass du da bist!
00:00:34: Ich freu mich wirklich das wir dieses Thema einmal zusammen anschauen.
00:00:37: Dieses Thema heute ist so richtig meins.
00:00:39: Also es ist ein Thema mit dem ich mich schon mein halbes Leben rumschlag und das mir wirklich unter die Haut geht.
00:00:43: Nämlich Ungewissheit.
00:00:45: Dieses Nichtwissen was als nächstes kommt.
00:00:47: Und ich merke jetzt schon wenn ich das ausspricht.. ..dass ich meinen Bauch irgendwie zusammenziehe weil mein System dieses Thema sofort ernst nimmt.
00:00:55: Es ist fast ein bisschen witzig, dass allein das Reden darüber so was schon auslöst.
00:00:59: und ja genau darum geht es auch heute!
00:01:01: Und weil ich weiß, dass ganz viele von euch das kennen will Ich mir dafür heute mal richtig Zeit nehmen.
00:01:06: Also ich hole immer so richtig aus und ich erzähle euch wie das bei mir aussieht und ich erkläre euch was im Körper eigentlich passiert und ich gebe euch am Ende auch so ein paar Sachen mit die mir wirklich helfen.
00:01:16: Aber ich muss auch vorweg sagen, ich habe das alles noch nicht komplett zu Ende gedacht.
00:01:19: Also ich bin mit dem Thema auch noch nicht ganz durch.
00:01:23: Aber vielleicht ist das ja trotzdem mein ganz guter Zeitpunkt, dass wir mal gemeinsam draufschauen können.
00:01:27: Ja, während ich selber noch so ein bisschen am Sortieren bin.
00:01:30: Aber fangen wir mal ganz konkret an damit ihr wisst wovon ich rede!
00:01:34: Wenn ich auf etwas Wichtiges warte also eine Rückmeldung Ergebnis, eine Entscheidung die jemand anders trifft dann bin ich innerlich einfach irgendwie weg.
00:01:42: Also ich bin körperlich noch da Ich sitze auf der Couch oder am Schreibtisch und mache irgendwas aber ein Teil von mir wartet die ganze Zeit auf dieses Ergebnis.
00:01:50: Also ich kann mich dann auch nichts richtig einlassen.
00:01:52: Ich fange fünf Sachen an und mache keine davon fertig, ich schaue zehnmal aufs Handy obwohl ich eigentlich weiß dass da nichts Neues ist.
00:01:59: Ich lese denselben Satz von einer Mail dreimal und hab den danach immer noch nicht verstanden.
00:02:03: Ja das passiert ja eigentlich gar nix.
00:02:05: also es ist nur dieses offene.
00:02:06: ich weiss noch nicht was los ist Und das zieht mir den ganzen Tag die Energie aus dem Körper!
00:02:11: Ich erzähle euch mal ein Beispiel das sich so oder ähnlich schon sehr oft erlebt habe.
00:02:15: Ich warte auf eine Antwort, die über irgendetwas Wichtiges entscheidet.
00:02:19: Und mein Kopf hat in der Zwischenzeit schon drei komplette Filme durchgedreht also wie es ausgehen könnte welche Varianten möglich sind und ja natürlich auch eher so die schlimmeren Varianten.
00:02:30: ich stehe dann auf ich setze mich wieder ich mache mir ein Kaffee der wird kalt.
00:02:34: Also ich könnte dieser Zeit locker irgendwas Sinnvolles machen aber ich bin dann einfach nicht verfügbar für andere Sachen solange diese eine Frage offen ist.
00:02:42: und wenn dann endlich die Antwort kommt dann ist sie meistens voll in Ordnung Ja, und dann falle ich so in mich zusammen und denke mir so boah.
00:02:47: Und dafür jetzt der ganze Zirkus den halben Tag!
00:02:50: Und wo das bei mir übrigens auch richtig heftig ist es bei anderen Menschen.
00:02:54: also wenn ich nicht weiß woran ich bei jemand anders bin Wenn jemand zum Beispiel irgendwie komisch reagiert und ich nicht weiss warum Oder wenn eine Freundin ungewohnt kurz antwortet und ja, dann habe ich sofort dieses, oh, hab ich jetzt irgendwie was falsch verstanden?
00:03:07: Habe ich irgendwas falsch gemacht.
00:03:08: Und das dreht sich denn die ganze Zeit in meinem Kopf.
00:03:11: Diese soziale Unsicherheit also dieses nicht einschätzen können wie das gegenüber gerade zu mir steht Das kann mich echt komplett umhauen und mein Kopf füllt diese Lücke da natürlich sofort.
00:03:20: Ja und meistens mit der schlimmsten Variante.
00:03:22: Ich denke dann, die ist bestimmt sauer auf mich.
00:03:24: Ich habe bestimmt irgendwie etwas falsch gemacht oder bestimmt habe ich sie irgendwie vor den Kopf gestoßen.
00:03:29: Dabei hat die andere Person einfach nur einen stressigen Tag gehabt und denkt in dem Moment überhaupt nicht an mich, ja aber dieses ganze Kopfkino läuft ab.
00:03:36: wenn mein System diese eine offene Frage also wir stehen wir gerade zueinander kaum offen lassen kann.
00:03:41: Also die braucht sofort ne Antwort egal wie düster die jetzt sein mag!
00:03:45: Und wenn ich ehrlich bin hab' ich mir dadurch schon so den ein oder anderen schönen Nachmittag versaut... Aber am Ende für nichts.
00:03:51: Also falls ihr das auch kennt, also dass man sofort irgendwie das Slimste annimmt bei anderen Menschen dann seid ihr damit auf jeden Fall in guter Gesellschaft.
00:03:58: Das ist bei mir auf jeden fall so ein absolutes Dauerthema und wisst ihr was daran das Fiese ist?
00:04:03: Von außen sieht es total unspektakulär aus!
00:04:05: Also niemand sieht mir an, dass ich gerade nur irgendwie auf halber Kraft oder mit halber Aufmerksamkeit laufe.
00:04:11: Ich funktioniere ja und ich beantworte Nachrichten, ich wirke produktiv weil ich auch so hibbelig durch die Gegendlaufe und so rum wusel aber innen läuft halt dieser Motor die ganze Zeit viel zu hoch und am Abend bin ich dann meistens komplett platt und meistens dann wirklich einfach für gar nichts.
00:04:29: Wirklich lange dachte ich, ja reiß dich mal zusammen.
00:04:33: Also so schlimm ist das jetzt nicht.
00:04:35: Jetzt hab' dich mal nicht so.
00:04:37: Ich habe mich dafür auch noch selber fertig gemacht bis ich dann irgendwann angefangen hab zu verstehen was da eigentlich passiert und das hat für mich so viel verändert und das will ich heute unbedingt mit dir teilen.
00:04:49: also unser Nervensystem checkt die ganze Zeit im Hintergrund ob wir gerade sicher sind wirklich ununterbrochen, ganz automatisch und ohne dass wir es merken.
00:04:58: Das nennt man Neurezeption und das ist eine Theorie von Steven Porteous also für die sich da jetzt nochmal genauer mit beschäftigen wollen.
00:05:05: aber jetzt kommen wir zu dem Teil der für mich wirklich der Schlüssel war nämlich was bedeutet für den Nervensystem eigentlich Sicherheit?
00:05:12: Sicher heißt für dein System vor allem, wenn es weiß was gleich passiert.
00:05:16: Also es kann vorher sagen wie es weiter geht und da wird's für uns richtig spannend weil unser Gehirn im Grunde so eine einzige Vorhersagemaschine ist.
00:05:24: also es rechnet permanent aus was als nächstes kommt das nächste Geräusch die nächste Bewegung wieder in den Gegenüber gleich reagiert und leicht dass dann mit dem abwas passiert.
00:05:34: also solange die Vorhärsage aufgeht bleibt alles ruhig und du merkst von diesen ganzen Rechnen im Hintergrund gar nichts.
00:05:39: und in dem Moment indem die Wirklichkeit Abweich gibt es einen kleinen inneren Ruck, also so ein Ups.
00:05:46: jetzt stimmt mein Bild nicht von der Welt und wenn du auch autistische Anteile hast dann nimmt dein Gehirn diese Abweicherung besonders ernst.
00:05:53: Also es lässt sich dann halt einfach nicht einreden.
00:05:55: Das war jetzt nur ein Zufall, das kannst du ignorieren!
00:05:58: Und als ich das das erste Mal verstanden habe, ist bei mir so einen Groschen gefallen.
00:06:01: Ich saß echt da und dachte ach deshalb ist das so.
00:06:04: Deshalb wirft mich eine kleine Planänderung aus der Bahn während anderer mit den Schultern zucken und weitermachen.
00:06:10: Es ist ja für mich nie nur eine kleine Änderung.
00:06:13: also wenn ich mich innerlich auf einen ruhigen Nachmittag eingestellt hab und dann kommt ne Nachricht dass noch was ansteht Dann ist es als würde jemand mein ganzes fertig aufgebildetes Bild Nachmittag einfach umschmeißen.
00:06:24: Und mein System muss dann in Sekunden ein komplett neues aufbauen, mit allem was dran hängt.
00:06:28: und ja deshalb reagiere ich darauf manchmal halt mit so einer Wucht die mich selbst halt überrascht.
00:06:33: und ja danach denke ich denn auch Mensch das war ja nur irgendwie eine kleine Umplanung.
00:06:37: also warum trifft mich das jetzt so?
00:06:39: Aber es steckt halt diese ganze neue Berechnungen dahinter.
00:06:44: Das ist eigentlich auch was Schönes, wenn man es jetzt mal von der anderen Seite betrachtet.
00:06:47: Also dass mein Gehirn einfach so fein rechnet heißt ja auch das ich Sachen mitkriege die andere vielleicht komplett überhören.
00:06:52: also Ich merke Wenn sich die Stimmung im Raum verändert ich sehe Detail ich spüre Zwischentöne Und das ist im Alltag auch echt offene Stärke.
00:07:01: Also diese feine Antenne, die sorgt halt eben auch dafür dass mich dieses Unvorhergesehener einfach auf stärker durchrittelt.
00:07:07: also das gehört einfach zusammen und es gibt jetzt nicht das eine ohne das andere.
00:07:10: Und ehrlich gesagt während ich das jetzt gerade so ausspreche fällt mir auch auf, dass sich das vorher noch nie so klar hatte... Also ich glaube da ist wirklich ganz viel von meiner Erschöpfung an manchen Tagen wirklich von diesen offenen Fragen kommt, die ich den ganzen Tag mit mir rumschleppe und gar nicht so sehr von dem, was ich tatsächlich getan habe.
00:07:26: Also es sind einfach so kleine unerledigte Sachen.
00:07:28: also eine Mail auf die ich noch keine Antwort hab ne Entscheidung die nach aus steht ein Gespräch das noch kommt also das läuft die ganze Zeit einfach im Hintergrund weiter und zieht auch ununterbrochen so'n bisschen Kapazität.
00:07:39: einfach die ganze zeit also wie so ganz viele kleine offene Tabs in so nem Browser die so einfach vor sich hinröten und ja immer wieder mein Kopf präsent sind aber nie wirklich abgeschlossen sind.
00:07:49: um meinen Kopf können die dann einfach schlecht zu machen weil ich weiß nicht, ob das bei euch jetzt gerade auch so klickt macht.
00:07:54: Aber für mich ergibt es einfach voll viel Sinn!
00:07:56: Ja und ich habe das auch total unterschätzt, also diese Übergänge am Tag.
00:08:00: Also diese ganz kleinen Wechsel vom Bett in den Tag von einer Aufgabe zu Nächsten Von Zuhause raus und wieder rein Und ja vom Arbeitsmodus an den Feierabend Also jeder einzelne dieser Übergange ist für dein System so ein Mini-Sprung ins Ungewisse Weil man halt gerade diesen einen Tapp offen und wenn man dann einen neuen Tapp aufmacht Dann muss der erst wieder komplett hochfahren und sich aufbauen.
00:08:23: Aber solange ich in dieser einen Sache drin bleibe, weiß mein System einfach was los ist.
00:08:27: Aber genau in diesem Moment des Wechselns ist für mich halt so ein Augenblick alles offen und deswegen werbe ich manchmal im Türrahmen hängen oder ich komme nach Hause und brauche erstmal eine gefühlte Ewigkeit bis ich wirklich angekommen bin.
00:08:38: Und ja wenn dann an meinem Tag ganz viele solche Übergänge zusammen kommen Dann ist am Abend einfach davon mein Gefäß schon komplett voll.
00:08:45: Also nur von diesen kleinen Neuanfängen.
00:08:47: Und ja, das habe ich jahrelang nicht ernst genommen.
00:08:49: Also ich hab die ganze Zeit immer gedacht Ja stell dich doch jetzt nicht so an Du musst doch jetzt nur eben raus und irgendwie was erledigen Aber am Ende ist es halt wirklich echte Arbeit fürs Nervensystem.
00:08:59: Ja und jetzt werde ich nochmal ein bisschen persönlicher weil ich mich das oft gefragt habe also woher das bei mir eigentlich kommt?
00:09:04: Also dieses starke Bedürfnis dass alles vorhersehbar und geplant ist.
00:09:08: Also ich habe schon ganz früh gemerkt dass diese Welt für mich einfach so ein bisschen unberechenbarer ist als für andere, also das Dinge die einfach so nebenbei laufen mich voll viel Kraft kosten und ich glaube ich habe einfach ganz bewussten System gebaut in dem ich einfach möglichst wenig überrascht werde.
00:09:24: Also feste Abläufe, feste Orte, festen Wege... Ich bin eigentlich ein Großteil meines Tages, wenn ich alleine bin.
00:09:33: Ziemlich autonom unterwegs und kann meinen Tag selber gestalten.
00:09:36: Ich weiß selber was ich jetzt als nächstes vorhab.
00:09:39: Weil das für mein System einfach so die Art war sich in der Welt sicher zu fühlen, die sich oft zu schnell und zu unvorher siebe angefühlt hat Und lange habe ich mich auch dafür kritisiert dass ich an meinen Abläufen hänge Dass ich so ein Gewohnheitstier bin Aber heute sehe ich das mit ganz anderen Augen.
00:09:54: Also ist es eine wirklich kluge Lösung die sich mein System ja gebaut hatte Also meine Routine, also dazu zähle ich auch wie ich meinen Arbeitstag zum Beispiel gestalte.
00:10:02: Das ist einfach meine Selbstberuhigung.
00:10:04: Ja und statt sie mir abzutrainieren nutze ich es jetzt auch einfach ganz bewusst.
00:10:08: Und das noch was dass es für uns nochmal so besonders verzweckt macht und da erkenne ich mich auch immer total wieder.
00:10:14: Ich habe nämlich so zwei Seiten an mir die mich in der Ungewissheit in zwei entgegengesetzte Richtungen ziehen.
00:10:20: Die eine Seite von mir liebt den Reiz und Neues braucht Abwechselung.
00:10:24: Ich langweile mich sehr schnell Und ich will auch raus aus der immer gleichen Woche und aus den immergleichen Abläufen.
00:10:31: Die andere Seite von mir, die braucht halt Ruhe und Vorhersehbarkeit und immer die gleichen Abläufe und fühlt sich damit halt sicher!
00:10:38: Und die kommen sich manchmal so richtig in die Quere.
00:10:40: Ich sehe mich eigentlich nach einem spontanen Ausbruch aus dem Alltag und wenn der dann aber wirklich kommt, bin ich von dieser Unplabbarkeit komplett überfordert.
00:10:49: Also ich will die Abwechslung Aber gleichzeitig wirft mich auch schon eine kleine ungeplante Änderungen komplett um.
00:10:54: manchmal.
00:10:55: Das sind dann noch die Momente wo ich was unternehmen will häufig auch sagt, ach nee vielleicht doch nicht.
00:11:01: Vielleicht bleibe ich doch zu Hause.
00:11:03: Ja und da dachte ich auch lange dass mir irgendwie was nicht stimmt.
00:11:06: also das ich so komplett widersprüchlich bin Da wir sind es einfach zwei Anteile an mir die unterschiedliche Sachen brauchen Und beide gehören halt irgendwie dazu.
00:11:15: Ich weiß nicht ob ihr das kennt dieses Gefühl sich irgendwie nicht so ganz zusammenzukriegen.
00:11:20: Also falls ja ist bei euch vielleicht ja auch genau das gleiche.
00:11:22: also Bei mir hat sich das wirklich erst mit der Diagnose irgendwie zu einem gesamten Bild ergeben, dass ich dann auf einmal gemerkt habe okay ich hab wirklich diese beiden Anteile und das ist beides ich.
00:11:34: Und manchmal kann ich in die Richtung gehen und manchmal kann nicht in die richtung gehen und manchmal streiten sie sich halt auch ein bisschen aber das hat da für mich erst so richtig Sinn ergeben.
00:11:44: Aber was ich auch spannend finde, und das nimmt auch echt so ein bisschen Druck raus ist dass es halt einfach wirklich auch Forschung dazu gibt.
00:11:50: Dass autistische Menschen einfach schwerer mit ungewissheit klar kommen als andere Und dass das doch ganz eng mit Ängstlichkeit zusammenhängt.
00:11:56: Also das ist wirklich gut untersucht und es zeigt mir halt auch, dass kein persönliches Versagen ist Das mich diese Ungewisskeit teilweise so mitnimmt.
00:12:03: Es ist einfach ein Muster, dass viele von uns teilen und es hat einfach damit zu tun wie unsere Gehirne die Welt verarbeiten.
00:12:09: Und ich weiß nicht wie es euch damit geht, aber ich finde allein das zu wissen ist halt bei mir schon richtig viel gelöst.
00:12:15: Also so nach dem Motto ok ich bin nicht einfach nur zu empfindlich oder zu kompliziert mein System macht da gerade seinen Job und den macht er sogar besonders gründlich!
00:12:24: Bevor ich gleich zudem komme was mir hilft will ich noch eine Sache ansprechen weil ich glaube dass sie viele von uns gefangen hält.
00:12:30: Ich habe bei mir nämlich lange so ein ganzes oder gar nicht denken gehabt auch bei der Ungewissheit.
00:12:34: Also entweder habe ich alles unter Kontrolle und jeder Plan steht, jede Frage ist geklärt also dann bin ich beruhigt.
00:12:40: Oder es ist halt wirklich nur so eine Kleinigkeit offen und dann fühlt sich alle schon richtig wackelig an.
00:12:45: Also dazwischen gab's für mich lange nichts.
00:12:47: Und das ist halt richtig anstrengend weil das Leben ja nun mal ständig diese offenen Enden hat also andauernd!
00:12:52: Es gibt fast nie diesen Zustand wo wirklich alles geklärt ist... ...und was ich da gerade übe ist mir halt so ein Mittelweg zu erlauben.
00:12:59: Also aushalten dass da viel offen ist und nicht trotzdem einigermaßen sicher zu fühlen Und das ist für mich echt Neuland und da bin ich auch noch so ganz am Anfang, aber schon der Gedanke dass es diesen Mittelweg überhaupt gebt hat für mich viel verändert.
00:13:10: Also je länger ich darüber nachdenke desto mehr merke ich einfach, dass das ganz viel mit Kontrolle zu tun hat.
00:13:15: also ich versuche diese Ungewissheit im Außen kleinzuhalten indem ich möglichst viel selbst in der Hand habe.
00:13:20: Also ich plane, ich organisiere Ich denke voraus für alles in Plan B und manchmal sogar im Plan C dazu.
00:13:26: Ja, ein Teil davon ist super hilfreich und macht mir auch richtig Spaß aber es hat halt auch eine Kehrseite weil ich damit eben auch versuche Dinge festzuhalten die sich eigentlich nicht festhalten lassen.
00:13:36: Und dann lande ich in so einem Zustand wo ich mich dann um alles kümmern will also auch um das worauf ich keinen Einfluss habe oder was mich gar nicht betrifft sondern mein Mann betriffe.
00:13:45: Das laugt mich einfach komplett aus.
00:13:47: und ja dass mir da hilft ist einfach mir kurz klar zu machen welcher Teil von einer Sache wirklich in meiner Hand liegt und meine Energie dann wirklich auch nur da reinzustecken.
00:13:55: Und den Rest, also so schwer es auch ist einfach für den Moment ruhen zu lassen.
00:13:59: Also meine Kraft kommt dann wenigstens da an wo sie auch was bewirkt.
00:14:02: Da startze ich jetzt komplett an etwas aufzureiben was sich eh nicht ändern lässt.
00:14:06: Und noch was ist mir da aufgefallen und das finde ich auch irgendwie so ein bisschen tröstlich?
00:14:10: Das schwankt bei mir nämlich total je nachdem wie's mir gerade geht.
00:14:13: In Zeiten in denen ich gut versorgt bin, gut schlafe, wenig Stress habe, da komme ich mit Ungewissheit viel besser klar.
00:14:19: Und da wirft mich auch jetzt nicht jede Planänderung komplett um.
00:14:22: Aber in Zeiten, in denen mein Akku halt eh schon leer ist, da trinkt mich die kleinste offene Frage schon komplett aus der Bahn.
00:14:28: Früher habe ich mich darüber gewundert also letzte Woche habe ich das auch locker weggesteckt.
00:14:33: warum kriege ich das jetzt nicht hin?
00:14:35: aber heute weiß ich einfach dass meine Fenster für diese Ungewissheit manchmal eben breiter und manchmal schmaler sind.
00:14:40: Das hat ganz viel damit zu tun wie mein System sonst gerade so drauf ist Und es ist eigentlich eine gute Nachricht weil sie ja auch zeigt dass man das selbst in der Hand hat.
00:14:48: Also wenn ich mich gut für mich sorge und mich um ein Nervensystem kümmer und regulierter bin, dann wird mein Fenster von ganz alleine wieder breiter.
00:14:56: Ja jetzt kommt der Teil wo ich ganz ehrlich sein muss weil ich wirklich niemand bin der das alles schon komplett gemeistert hat.
00:15:02: aber es gibt ein paar Sachen die ich gelernt habe die mir wirklich helfen und die möchte ich einfach mit euch teilen so wie ich sie selber halt auch anwende.
00:15:10: Das eine und das klingt fast ein bisschen zu simpel, ist einfach anders mit sich selber zu reden.
00:15:14: Also wenn ich in dieser Warteschleife zum Beispiel drin stecke dann habe ich mir früher gesagt stelle dich nicht so an andere kriegen das doch auch hin.
00:15:21: Und heute sage ich mir einfach ja es ergibt total Sinn dass ich jetzt gerade angespannt bin weil mein System versucht mich zu schützen.
00:15:28: und es ist echt erstaunlich was dieser kleine Satz schon mit einem macht Weil ich meinem eigenen Gefühl damit einfach einmal recht gebe statt dagegen anzukämpfen.
00:15:35: also das nimmt so ne ganze zweite Ebene einen Stress raus.
00:15:38: Also dieses sich auch noch dafür fertig machen, dass man fertig ist.
00:15:42: Ja und ich weiß es klingt auch irgendwie nach so einem Kalenderspruch aber probier das echt mal aus.
00:15:45: also so ein einfaches ja... Das ergibt jetzt gerade total Sinn, dass das für meinen Körper wirklich riesig ist.
00:15:51: Ich rede mit meinem Kopf mittlerweile fast so als wäre ein aufgeregtes Kind oder so'n Hund, der bei jedem Geräusch irgendwie anschlägt.
00:15:57: und ja wenn mein Kopf dann wieder loslägt und sich das Schlimmste so ausmalt.
00:16:01: Dann sage ich halt innerlich, ich weiß du willst mich beschützen?
00:16:04: Danke!
00:16:05: Ich hab's gehört aber wir wissen es einfach gerade noch nicht und das ist okay.
00:16:09: Und das klingt vielleicht so ein bisschen bekloppt wenn ich das so laut sag.
00:16:11: Aber es funktioniert für mich richtig gut weil ich meinem System einfach damit signalisiere, Ich bin jetzt nicht sauber.
00:16:16: auf dich dass du alle haben schlägst.
00:16:18: Ich nehme dich ernst und trotzdem müssen wir jetzt nicht in Panik verfallen.
00:16:21: Ja an dieses freundliche fast liebevolle mit sich selbst reden.
00:16:24: das ist für mich in letzter Zeit allgemein so ein kompletter Gamechanger geworden Weil dieser harte antreibende Ton den ich früher mir gegenüber hatte der hat mein system eher noch mehr geschresst Und diese freundlicher Stimme berückt mein System halt sowieso einen sicherer mensch von außen es auch tun würde.
00:16:40: Das zweite ist ein kleiner Trick mit meinem Kopfkino.
00:16:42: Also mein Gehirn malt sich in der Ungewissheit fast immer sofort das Schlimmste aus und was mir dabei hilft, ist einfach den bewusst noch zwei andere Bilder danebenzustellen.
00:16:51: also ich frage mich dann einfach so nach der Reihe okay was wäre jetzt das schlimmste dass passieren könnte?
00:16:56: Und dann was wär eigentlich das Beste?
00:16:58: Und Dann was passiert wahrscheinlich wirklich?
00:17:00: Und meistens liegt das Wahrscheinliche an viel näher am guten Ausgang als die Katastrophe.
00:17:05: Also ich rede mir damit nichts schön, ich kippe meinem Kopf einfach so diese ganze Bandbreite zurück statt ihnen mit dieser Horrorversion fest hängen zu lassen.
00:17:12: Und weil unser Gehirn so gut darin ist sich Katastrophen auszumeilen ist das fast schon ein Talent und meistens tritt davon gar nix ein und wir tragen aber trotzdem die Anspannung für eine Gefahr die nie kommt mit uns rum.
00:17:23: Das Dritte und das ist mein absoluter Abendretter, ist das Zeug aus meinem Kopf einfach rauszuschreiben.
00:17:28: Also wenn abends dieses Karussellos geht und alle offenen Taps gleichzeitig aufgehen dann nehme ich mir ein Zettel und ich schreibe alles einfach wild runter was gerade offen ist.
00:17:35: also jede Sorge, jeder halbe Aufgabe, jede offene Frage.
00:17:39: Ja und das mache ich ohne Struktur keine Ordnung Ich schreib's einfach raus Und meinen Kopf kann dann einfach so'n Stück loslassen weil er weiß dass einfach nichts verloren geht Weil es steht ja jetzt da Und das fühlt sich für mich echt an wie so eine Erlösung und ich mache das mittlerweile auch richtig oft.
00:17:53: Ich habe für mich einfach gemerkt, dass mir diese kleinen verlässlichen Fixpunkte am Tag einfach insgesamt total helfen.
00:17:59: Gerade wenn super viel offen ist!
00:18:01: Also so kleine Inseln die immer wieder gleich sind also im Morgen der ähnlich beginnt dieselbe Tasse derselbe Handgriff ein Ort in meiner Wohnung an dem einfach alles stimmt.
00:18:11: Weil das ist so meine Theorie mittlerweile, also mein Bedürfnis nach Sicherheit ist ein bisschen wie ein Konto.
00:18:15: Und wenn so eine große Ungewissheit einfach richtig viel vom Konto abhebt dann tut es mir einfach gut, weil ich weiß dass an ganz vielen anderen Stellen genug eingezahlt wurde und diese kleinen immer gleichen Anker sind einfach so meine tägliche Einzahlung.
00:18:28: Es klingt vielleicht unspektakulär aber für mich macht das einen riesen Unterschied ob meinen Grundlevel an Sicherheit einfach gefüllt ist oder ob ihr schon alles wackelt.
00:18:35: und dann kommt noch die ungewissheiten oben drauf.
00:18:38: Das vierte hat mit meinem Körper zu tun.
00:18:40: Also ich kann mir noch so oft und so vernünftig sagen, es wird schon alles gut gehen.
00:18:44: Und mein Körper bleibt trotzdem in diesem Alarmzustand.
00:18:47: Deshalb geht der wirksamste Teil über den Körper, über den Atem, über Berührung... ...über das was meine Sinne wahrnehmen!
00:18:54: Die konkreten Körperübungen machen wir im Kurs ganz in Ruhe zusammen.
00:18:57: Ich lege euch hier ins Herz die auch wirklich auszuprobieren weil sie für mich wirklich super viel verändert haben.
00:19:02: Dann ist da noch etwas was ich lange nicht wahrhaben wollte weil ich wirklich so ein Mensch bin der alles irgendwie alleine regeln will.
00:19:08: Aber Ungewissheit trägt sich zu zweit einfach leichter und damit meine ich gar nicht, dass mir jetzt jemand das Problem abnimmt.
00:19:14: Aber es reicht schon, dass ich das überhaupt mal jemanden erzähle und dass dann Mensch ist der sagt Ich bin da während du das aushälst!
00:19:20: Und sein Nervensystem ist nämlich darauf ausgelegt sich an einem anderen ruhigeren Nervensystem auszurichten.
00:19:26: In der Nähe von jemandem der selber einigermaßen ruhig ist kommt mein System auch viel leicht darunter als er das je alleine könnte... ...und das zu verstehen ,dass ich das brauche und dass ich nicht alles mit mir selbst ausmachen muss.
00:19:36: Das war so ein richtiger Prozess für mich und ich habe mir wirklich lange eingebildet, ich muss alles alleine hinkriegen.
00:19:41: Und dabei ist dieses in Verbindung gehen eines der wirksamsten Dinge überhaupt.
00:19:45: Und noch eines dann höre ich auf mit den Tipps versprochen.
00:19:48: Wenn mich eine unsichere Lage komplett lehmt weil ich das große ganze nicht überblick Dann frage ich mich einfach nur noch was ist der kleinste nächste Schritt den ich jetzt tun kann anstatt mich zu fragen wie das alles ausgeht?
00:19:59: Ein Satz, ein Anruf, einen Handgriff.
00:20:01: Bei meinem System sich spürbar beruhigt sobald ich wieder ans Handeln komme statt dieser Situation hilflos ausgeliefert zu sein.
00:20:08: Das handeln und sei es nur das kleinste bisschen ist wie so'n Gegengift gegen diese Ohne macht.
00:20:13: Ich merk schon!
00:20:13: Ich hole grad richtig weit aus Aber ich wollte das so ausführlich machen weil ich das Gefühl hab dass das ganz viele von euch... Weil ich das gefühl habe dass das ganze viele von Euch auch betreffen kann Und ja man eigentlich nie so'nen weil man irgendwie nie so einen Namen dafür hatte und nie so eine Erklärung, warum das so ist.
00:20:30: Und ich glaube dass das schon die halbe Miete ist.
00:20:32: also dieses Gefühl Ich bin nicht kaputt sondern das hat ein Grund.
00:20:36: deswegen aber ich wollte es so ausführlich machen weil ich einfach das Gefühl habe Aber ich wollte das so ausführlich machen, weil ich das Gefühl habe dass das viele von euch betreffen könnte und ja man hat eigentlich nie so einen richtigen Namen oder eine Erklärung dafür.
00:20:48: Und deswegen war es mir so wichtig das mit euch zu teilen!
00:20:51: Wenn ihr in der Situation seid dann stellt euch einfach mal die Frage versuche ich diese Ungewissheit gerade auszuhalten?
00:20:57: Oder versuche sie um jeden Preis loszuwerden?
00:21:00: Das klingt auf dem ersten Moment vielleicht erstmal relativ ähnlich aber es fühlt sich einfach komplett anders an.
00:21:05: Wenn ich versuche, diese Ungewissheit um jeden Preis loszuwerden dann bin ich in diesem getriebenen Modus.
00:21:11: Dann muss sofort Klarheit her!
00:21:12: Dann kann ich an nichts anderes denken.
00:21:14: und wenn ich mir dagegen erlaube sie eine Weile einfach auszuhalten, dann darf sie da sein und ich muss nicht in derselben Sekunde handeln.
00:21:20: Und ich merke bei mir je mehr ich üben kann ungewiss halt einfach mal aus zu halten ohne sie sofort weg machen zu müssen.
00:21:27: das du weniger macht hat es über mich Weil das ist echt so ein Ding, dass ich erst lernen musste.
00:21:31: Mein Vertrauen wächst nicht dadurch, dass sich mir das fest vornehme.
00:21:34: Es wächst dadurch, daß ich immer wieder erlebe, dass auch unsichere Momente überstanden habe.
00:21:39: Jedes Mal wenn ich so eine offene Situation durchlebe dann merke ich hey!
00:21:43: Ich bin immer noch da es ist alles gut ausgegangen.
00:21:46: Ich hab's getragen.
00:21:47: Dann lernt mein System ein kleines Stück mehr, das Nicht-Wissen nicht automatisch Gefahr bedeutet Und das passiert ganz langsam in kleinen Schritten.
00:21:55: Aber es passiert wirklich, also ich spüre das wirklich in mir und deshalb bin ich mittlerweile auch so vorsichtig damit mich in unsicheren Zeiten immer wieder aus der Komfortzone zu prügeln weil wenn eine Situation mich völlig überrollt dann lernt mein System vor allem dass Ungewissheit gefährlich ist.
00:22:10: aber kleine machbare Portion dagegen die gut ausgehen die bauen nach und nach ein echtes Vertrauen auf.
00:22:16: Es gibt Phasen im Leben, da ist diese Ungewissheit einfach riesig und helfen auch die kleinen Tricks nicht mehr so richtig.
00:22:21: Also große Entscheidungen, lange Wartezeiten oder ganze Lebensabschnitte in denen kaum was planbar ist Und in solchen Zeiten geht es dann darum dich selbst zu halten während um dich herum alles offen und irgendwie unsicher ist Weil du diese Unwissheit ja sowieso nicht wegmachen kannst.
00:22:36: Also dieses Gefühl während der Unsicherheit zeigt nur, dass dein System Sicherheit über Vorhersiebbarkeit herstellt und Abweichungen darin halt besonders ernst nimmt.
00:22:44: Aber du kannst lernen dir selbst in dieser Unsicherheiten bisschen mehr Halt zu geben!
00:22:48: Ich hoffe es war was für dich dabei und du konntest ein bisschen etwas mitnehmen.
00:22:51: ich wünschte auf jeden Fall ganz viel neue Erkenntnisse über Dich in diesem Prozess Und ich würde mich freuen wenn Du vielleicht darüber berichtest Wenn Du dadurch vielleicht ein Stück weitergekommen bist.
00:23:00: So das war's mit dieser Folge.
00:23:01: Ich hoff es hat Dir gefallen und ja machs gut und ich hoffe es geht Dir gut.
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