2 - Private Einblicke in meine Energieentwicklung

Shownotes

Wie hat sich meine Energie über die Jahre verändert? Von der Ausbildung im Krankenhaus, wo ich kaum noch etwas geschafft habe, bis heute, wo ich meistens wirklich viel Energie habe.
Ich erzähle dir von der Arbeit im Krankenhaus und ständigem Maskieren, davon, wie es bis zur Depression kam, und warum dein Körper dir Signale sendet, denen du vertrauen darfst, statt einfach durchzuhalten. Und davon, wie sich im Studium plötzlich alles gedreht hat.
Das ist Teil 1 von zwei Folgen. In Teil 2 erzähle ich dir, wie ich mir danach Schritt für Schritt neue Strukturen aufgebaut habe und was sich am Ende als der wichtigste Faktor für meine Energie herausgestellt hat: Autonomie.

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00:00:00: Hallo, jetzt bist du in Module zwei.

00:00:02: Also es geht um Energie und ich möchte heute mal erzählen wie sich meine Energie über die Jahre so verändert hat also von einem Punkt an dem mich quasi gar keine Energie mehr hatte für irgendwas bis heute wo ich meistens eigentlich wirklich sehr viel Energie habe ja und vor allem was nur die Auslöser dafür waren angefangen hat eigentlich alles.

00:00:19: erst in der Ausbildung also in der Schule hatte ich eigentlich gar keine Probleme.

00:00:22: Ich bin super gerne zur Schule gegangen.

00:00:24: Ja da hatte ich auch keine Probleme mit Energie oder ja auch mit den äußeren Strukturen, das hat für mich eigentlich immer alles ganz gut gepasst.

00:00:31: Aber als ich dann ausgezogen bin und im Krankenhaus meine Ausbildung gemacht habe da hab' ich plötzlich Schichtdienst gehabt.

00:00:38: aber vor allem musste ich jeden Tag zur Arbeit gehen und war danach einfach komplett erschöpft.

00:00:43: Das war einerseits durch die Arbeit selbst also die war schon sehr herausfordernd.

00:00:46: Also ich war viel in Bewegung aber das wäre jetzt nicht der größte Punkt.

00:00:50: Das Schwierigste war eigentlich dass ich ständig maskieren musste.

00:00:53: Ich war ständig in Kontakt mit anderen Menschen, musste mich auf deren Energie einstellen und auf deren Bedürfnisse.

00:00:59: Und selbst wenn ich Pause hatte, war das eigentlich keine Pause für mich.

00:01:02: Das war genau so anstrengend weil... ...ich musste auch da Gespräche führen!

00:01:05: Ja und meine Energie geht vor allem bei auferlegten Gesprächen mit Menschen drauf.

00:01:09: Bei denen ich mich einfach immer irgendwie anpassen muss.

00:01:11: Und deshalb hatte ich quasi nie Pause.

00:01:14: Weil selbst wenn ich Pause hatte, war ich in einem Raum mit den anderen Mitarbeitern die dann auch Pause hatten und dann wurden Gespräche geführt.

00:01:20: also das war für mich immer noch belastender als die Arbeit.

00:01:23: Und irgendwann habe ich meine Pause nicht mehr gemacht weil ich meine Arbeit einfach vorgeschoben hab damit ich dann alleine Pause machen konnte wenn die Anderen wieder am arbeiten waren.

00:01:32: Ja das ging dann weiter dass ich irgendwann einfach öfter auf Toilette war um mal durch zu atmen Das ist dann auch immer häufig aufgetreten.

00:01:42: Ja genau das hatten wir jetzt im letzten Modul, also ich war einfach den ganzen Tag amaskieren.

00:01:48: und ja dieses ständige Verbergen von autistischen oder ADHS Zügen um nach außen hin einfach zu funktionieren wie alle anderen und dass es nicht einfach nur unangenehm sondern es ist wirklich so kräftizient für das Nervensystem und das jeden tag Zu Hause war ich dann einfach nur noch erschöpft und konnte gar nichts mehr machen.

00:02:07: Ich habe dann irgendwann gar nicht mehr unternommen, weil ich so erschöpf war.

00:02:10: Und allein der Gedanke das sich am nächsten Tag wieder zur Arbeit muss hat mich total belastet.

00:02:15: Ich war dann immer häufiger krankgeschrieben also einerseits weil mein Immunsystem auch auf diesen Stress reagiert hat und ich war wirklich häufig krank.

00:02:22: Ich wurde in den vier Jahren Ausbildung auch zweimal operiert Aber auch dazwischen habe ich mich dann einfach so oft krank gemeldet, hab irgendwelche Gründe vorgeschoben.

00:02:31: Und ja das Krankmelden sah dann irgendwann so aus dass sich nicht mal mehr bei der Station anrufen konnte sondern ich habe dann einfach Mitarbeitern geschrieben, dass sie ausrichten sollen, dass ich krank bin und es hat dann halt so grüne vorgeschoben, dass mein Handy nicht funktioniert.

00:02:44: also der Ton von meinem Handy funktioniert nicht und deswegen muss ich schreiben.

00:02:47: aber irgendwann war die Ausrede dann auch nicht mehr glaubhaft und dann konnte ich wirklich gar nicht mehr zur Arbeit gehen.

00:02:54: Ich bin dann zum Psychiater gegangen und der hat eine Depression deinostiziert.

00:02:58: Und ich war dann auch ein Jahr krankgeschrieben... ...und bin dann wieder in meine Heimatstadt gezogen, wollte da nochmal versuchen die Ausbildung zu Ende zu führen.

00:03:05: Also ich war eigentlich schon ganz am Ende der Ausbildung.

00:03:08: Die Ausbildung geht eigentlich drei Jahre!

00:03:10: Ich war schon vier Jahre in der Ausbildung wegen der ganzen Krankmeldungen.

00:03:13: Ja aber auch dort hat es nicht geklappt.

00:03:16: also ich konnte den schulischen Teil der ausbildung das war gar kein Problem Aber sobald es dann auf die Station ging konnte ich einfach nicht mehr hingehen.

00:03:25: Teilweise war ich manchmal auf dem Parkplatz und hat mir vorgenommen, heute wirklich zu gehen und ich bin nicht in dieses Klinikum reingekommen.

00:03:33: Das war... Also ich kann es im Nachhinein gar nicht so richtig erklären aber das ging einfach nicht!

00:03:38: Ich konnte einfach nicht reingehen Ja, aber rückblickend würde ich auch sagen dass sich in dieser Zeit einfach dauerhaft außerhalb dessen war was man Toleranzfenster nennt.

00:03:47: Das ist ein Konzept aus der Psychiatrie das von Daniel Siegel geprägt ist und es beschreibt diese Zone in der ein Nervensystem reguliert ist in der man klar denken kann und auf Belastungen angemessen reagieren kann.

00:03:59: Und bei mir war dieses Fenster im Krankenhaus extrem eng.

00:04:03: Also ich war entweder immer überaktiviert, also komplett angespannt oder ich bin zusammengebrochen und konnte einfach nicht mehr.

00:04:10: Und dieses Wechseln zwischen zu viel und zu wenig, also ohne diese stabile Mitte dazwischen das war eigentlich so mein ganzer Alltag in dieser Zeit.

00:04:18: Aber dann habe ich glücklicherweise die Zusage für meinen Studienplatz in Psychologie bekommen.

00:04:22: Und im Studium war meine Depression einfach weg, also ich hatte gar keine Symptome mehr, ich hab total gerne studiert.

00:04:28: Ich konnte auch zu den Vorlesungen gehen aber hab irgendwann gemerkt dass mir das nicht so viel bringt weil ich bin eigentlich ein Mensch.

00:04:35: wenn ich die Studienunterlagen hab, kann ich mir das am besten selbst beibringen.

00:04:39: und ja wenn mir jemand anderes das erzählt dann nehme mich gar nicht soviel auf denn kann ich es mir gar nicht merken, ich kann das nicht verstehen.

00:04:45: Ich muss immer selbst einen Weg finden, Sachen zu begreifen und das funktioniert bei mir einfach viel besser wenn ich alleine bin.

00:04:51: Ich hatte jetzt aber auch nicht so viele Pflichtveranstaltungen und deswegen hat das Studium richtig gut für mich funktioniert.

00:04:57: Das Studium war einfach wie für mich gemacht.

00:04:59: Ich musste mich an keine äußeren Strukturen halten und habe einfach so gelebt wie es für mich gut war.

00:05:05: Im Grunde war das die genaue Umkehrung von dem, was im Krankenhaus passiert ist.

00:05:09: Mein Nervensystem musste sich nicht auf fremde Erwartungen einstellen, sondern ich konnte mich an meinen eigenen Rhythmus orientieren.

00:05:16: Dieses enge Toleranzfenster von vorher hat sich dadurch wieder komplett geweitet, ohne dass ich das damals benannt hätte.

00:05:23: Aber ich habe es auch gespürt und hatte viel mehr Energie.

00:05:28: Seit der Depression hab ich nichts mehr gemacht, was nicht zu mir passt.

00:05:31: Zum Beispiel bei den Praktika im Studium ... Ich habe mich zwar für ein Praktikum in der Klinik beworben, ich war dann auch zwei Tage da aber hab eigentlich sofort gemerkt.

00:05:40: Das funktioniert für mich nicht und hab das Praktikkum dann abgebrochen.

00:05:45: Ich hab mir dann halt einen Praktikum im Homeoffice organisiert was zum Glück geklappt hat sonst weiß ich nicht ob das Studium nicht daran gescheitert wäre.

00:05:52: Ja damals habe ich mich dafür eigentlich total verurteilt dass sich nicht in der klinik arbeiten konnte.

00:05:59: Aber so Rückblickend jetzt mit den Diagnosen kann ich das halt voll einordnen.

00:06:03: Also es ist einfach so'n Arbeitsumfeld, der nicht wirklich gemacht ist für neurodivergente Menschen.

00:06:07: Es sind überall Geräusche, es sind überall Menschen... Ich gehe in einen Patientenzimmer und weiß nicht was mich da erwartet!

00:06:15: Das ist eigentlich ja absoluter Horror für Autisten.

00:06:18: Ich muss jedes Mal wieder Smart Talk führen mit jedem neuen Patienten.

00:06:22: Ich weiß nicht, was da gleich für Gespräche auf mich zukommt.

00:06:25: Also eigentlich der absolute Albtraum.

00:06:28: Obwohl ich diese Arbeit eigentlich geliebt habe ... Das medizinische ... Ich mochte auch den Kontakt mit den Menschen aber es hat mich einfach komplett überfordert und ja, eigentlich schade!

00:06:38: Aber jetzt im Nachhinein kann ich das halt alles gut einordnen und verstehe jetzt warum das damals so war.

00:06:43: Genau und ich hab seitdem halt nichts mehr gemacht, was sich für mich nicht stimmig angefühlt hat hatte ich meine Energie wieder.

00:06:51: Ich war wieder belastbar, ich konnte Situationen besser händeln.

00:06:55: Ich konnte auch meistens wieder Telefonate führen zum Beispiel aber das waren Momente wo ich überhaupt keine Energie mehr übrig hatte gar nicht möglich.

00:07:01: also ich konnte mich nicht überwinden irgend ein Telefonat zu führen ja aber dass ging in diesen Momenten halt einfach wieder weil ich da einfach wieder Energie hatte und wieder Kapazitäten frei waren für solche Sachen.

00:07:12: Aber dann habe ich Kinder bekommen und ab da war wieder alles anders.

00:07:16: Ich hatte meine Energie nicht mehr für mich, ich hatte kaum noch Erhose am Schlaf.

00:07:20: Also zuerst war mein Sohn da und der war einfach immer an meinem Körper Und ich bin ein Mensch... ich kann das eigentlich nicht so gut die ganze Zeit berührt werden.

00:07:31: Klar es war jetzt mein Sohne und das ist auch in Ordnung.

00:07:33: also ich kuschelt mit meinen Kindern Das ist gar kein Problem.

00:07:37: Aber wenn man ständig jemanden an seinem Körper hat, wenn man eigentlich nicht der Mensch dafür ist... ...das war extrem anstrengend!

00:07:46: Mein Sohn hat nur auf mir drauf geschlafen und wenn ich ihn dann, wenn er geschlaufen hat versucht habe abzulegen, dann konnte ich wirklich... Ich konnte eine Sache machen entweder ich konnte auf Toilette gehen oder mir ein Glas Wasser holen aber beides war schon nicht möglich.

00:07:59: Also das war wirklich ne verrückte Zeit Unfassbar anstrengend.

00:08:04: Ja, und alles was ich mir aufgebaut habe an Strukturen die für mich funktioniert haben ist ja wieder komplett zusammengebrochen.

00:08:10: Also vorher war alles immer ordentlich jeder Gegenstand hatte seinen Platz Und ich hatte das alles total gut im griff.

00:08:15: Ich hab's auch geliebt wenn es ordentlich war Wenn alles sortiert war ja und auf einmal war keine energie mehr da keine zeit mehr da.

00:08:23: Ich konnte meinen Perfektionismus nicht mehr so ausleben weil dafür einfach Keine Kapazität mehr da war.

00:08:29: Ich war dann einfach irgendwann nur noch ein Zombie, also Dauer erschöpft.

00:08:32: Ich konnte mich nicht mehr gut um den Haushalt kümmern.

00:08:36: Alles hat mich belastet und im Nachhinein macht das auch alles total Sinn, warum gerade diese Phase mein System nochmal so gekippt hat.

00:08:42: Da kamen einfach mehrere Dinge gleichzeitig zusammen die einzeln schon viel sind und sich dann aber gegenseitig noch mal verstärkt haben.

00:08:49: Also Schlafmangel ist allein schon einer der größten Risikofaktoren für das Nervensystem dass sowieso schon wenig Puffer hat weil Erholung eben nur körperliche Ruhe braucht, sondern auch eine Phase in der das Nervensystem überhaupt erst wieder in diesen entspannten Zustand wechseln kann.

00:09:04: Wenn dieser Wechsel aber ständig unterbrochen wird und ja es ist mit einem Säugling oder auch mit dem Kind halt immer der Fall also er wacht nachts mehrfach auf und das System hat gar keine Chance sich zu erholen Egal wie viele Stunden man insgesamt jetzt im Bett liegt, aber man ist halt nie im Tiefschlaf.

00:09:22: Und dazu kommt halt noch diese komplette Reizüberflutung also ein Baby ständig am Körper dran, ständig Geräusche, stendig körperliche Nähe Ohne Pause, ja und man muss sich auch komplett um die Bedürfnisse des Kindes kümmern.

00:09:37: Und kann sich überhaupt nicht mehr um seine eigenen bedürfnisse kümern.

00:09:40: Dann hat gleichzeitig der Wegfall von den Strukturen, die mir vorher Sicherheit gegeben haben.

00:09:45: Also mein ganzes System für Ordnung, für feste Abläufe... Das vorher meine Energie geschont hat, ist einfach weggebrochen.

00:09:51: Aber mein Baby sich nicht an meinem System hält!

00:09:54: Ja und das war im Grunde so der Moment in dem alle Stützen gleichzeitig weggefallen sind... ...die meinen Nervensystem bis dahin stabil gehalten haben.

00:10:02: Und ich musste mir komplett neue Strukturen aufbauen die jetzt zu meiner Rolle als Mutter gepasst haben.

00:10:07: Aber darin bin ich zum Glück ziemlich gut, aber das war so ein kontinuierlicher Prozess.

00:10:11: Der halt auch heute noch weiterläuft weil meine Kinder größer werden die Bedürfnisse anders werden der Tagesablauf wird anders und ja es ist einfach ein Prozess.

00:10:20: der hört mit Kindern nicht auf.

00:10:22: Und wie genau dieser Umbau aussah also Haushalt Arbeit Partnerschaft Grenzen setzen Das erzähle ich euch in der nächsten Folge Denn im nächstem Modul geht's genau um dieses Thema.

00:10:32: Also ich hoffe, dir hat diese Folge gefallen und du konntest was für dich mitnehmen.

00:10:36: Das war jetzt eine sehr persönliche Folge.

00:10:38: Ich hab sehr viel über mich geredet aber ich hoffe einfach dass du daraus auch etwas für dich ziehen kannst.

00:10:43: Ich wollte einfach einmal aufzeigen wie so diese Momente erhöhte Anforderungen einfach dazu führen können das so ein Crash kommt.

00:10:51: häufig kommt ein Burnout ne Depressionen Und das ist bei so vielen neurodivergenten Menschen der Fall Dass ich euch einmal wirklich meine Geschichte erzählen wollte um dann euch jetzt auch im nächsten Schritt zeigen zu können, was für Strukturen ich mir aufgebaut habe damit das alles wieder funktioniert.

00:11:08: Weil genau das ist ja das worum es in dem Kurs gehen soll dass man sich dieses Leben aufbaut wie es zu der Neurodivergenz passt und wie man damit einfach viel besser wieder klarkommt und nicht immer in diese Erschöpfungszustände und Überreizungzustände kommt.

00:11:22: Ja und genau darum wird's im nächsten Modul geben.

00:11:26: Jetzt weiß ich nicht, wie ich die Folge beenden soll.

00:11:28: Aber was fällt mir mal schwer?

00:11:29: Ich wünsche dir eine schöne Woche und ja, ich hoffe es geht dir gut!

00:11:33: Bis dann!

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