7 - Verschiede Arten von Freude

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00:00:00: Es gibt einen Satz, der in der Begleitung meiner Klienten richtig häufig fällt.

00:00:03: Meistens kommt er so nebenbei und ganz leiser.

00:00:06: Nämlich ich weiß gar nicht mehr was mir eigentlich Spaß macht.

00:00:09: Manchmal kommt er nach einer langen Aufzählung von allem was gerade zu tun ist.

00:00:13: Manchmal frage ich einfach was jemand am Wochenende machen möchte?

00:00:16: Und dann entsteht häufig eine Pause die viel länger ist als sie sein müsste!

00:00:20: Ich will heute darüber sprechen wo diese Freude hin ist... ...und vor allem auch über das Spielen weil dass bei den allermeisten von uns das Erste ist was aus dem Leben rausfliegt.

00:00:28: Aber ich fang mal bei mir an.

00:00:30: Ich hab schon immer total gerne gespielt, Gesellschaftsspiele, Kartenspiele – eigentlich alles was man zu zweit oder mit mehreren spielen kann!

00:00:37: Was ich aber nie hatte war so ein Freundeskreis der das mit mitteilt.

00:00:41: Ich habe mir das jahrelang gewünscht.

00:00:43: So einen festen Kreis wo einfach regelmäßig Spieleabend stattfinden.

00:00:46: Mit meinem Mann hat ich dann immer wieder so Spielephasen und es war wirklich jedes Mal der Wahnsinn was das mit uns gemacht hat.

00:00:53: Wir waren uns danach auch immer einig dass wir das eigentlich viel öfter machen müssten.

00:00:57: Und dann kam der Alltag Je mehr Stress da war, je mehr Anforderungen bei einem von uns oder auch bei uns beiden da waren, desto seltener wurden diese Abende.

00:01:05: Und irgendwann waren sie einfach weg!

00:01:07: Wir haben uns das dann noch oft vorgenommen aber abends waren wir dann einfach zu kaputt und wollten einfach nur auf die Couch.

00:01:13: Ich glaube es kennen viele von euch in irgendeiner Variante... ...und genau da will ich heute hin.

00:01:17: Kurz zur Einordnung war bei dem Wort spielen die meisten sofort an Kinder denken, an Bauglötze und einen Spielplatz.

00:01:24: Und da liegen schon die ersten Denkfehler.

00:01:26: Spielen ist keine Phase, die man irgendwann abschließt.

00:01:29: Stuart Brown ist Psychiater und er hat über Jahrzehnte die Spielgeschichten von mehreren tausend Menschen erhoben.

00:01:35: Seine Definition von Spiel ist eigentlich ziemlich unspektakulär, aber deswegen auch so gut anwendbar finde ich.

00:01:41: Er sagt, Spiel ist freiwillig!

00:01:43: Es fühlt sich gut an – es zieht dich rein und du verlierst dabei ein Stück weit.

00:01:47: das Zeitgefühl und das Tun ist wichtiger als das was am Ende der Beraus kommt.

00:01:51: Und der letzte Punkt ist der Entscheidende.

00:01:54: Sobald nämlich das Ergebnis wichtiger ist als die Tätigkeit, kippt es.

00:01:58: Du kannst nähen und dabei spielen und du kannst nähnen weil das Geschenk am Sonntag fertig sein muss.

00:02:03: Von außen sieht das gleich aus.

00:02:04: In deinem Nervensystem passiert aber etwas völlig anderes, Brown hat für Menschen in deren Leben über lange Zeit kein Spiel mehr vorkommen den Begriff Spieldefizit geprägt.

00:02:13: was er dort beobachtet ist eine Verengung weniger Beweglichkeit im Denken weniger Zugang zu Humor weniger Lust etwas auszuprobieren dessen Ausgang unklar ist.

00:02:23: Das leuchtet auch ohne Studie ein wenn man jetzt mal daran denkt wie sich das eigene Denken schon nach einem Monat rein funktionierend anfühlt.

00:02:30: Was mich in dieser ganzen Spielforschung am meisten überzeugt hat, ist der Blick auf Tiere.

00:02:35: Spielen kostet Energie!

00:02:36: Es kostet Aufmerksamkeit und es macht angreifbar.

00:02:39: Trotzdem spielen Säugetiere quer durch alle Arten – auch wenn das Futter knapp ist.

00:02:44: Etwas dass so teuer ist und sich trotzdem über Millionen Jahre gehalten hat, das hat eine Aufgabe.

00:02:50: Und für dich heißt das, Spielen gehört in dieselbe Kategorie wie Schlaf- und Bewegung.

00:02:55: Es gehört zur Grundversorgung.

00:02:57: Jetzt sagen vielleicht viele, ich hab doch Freizeit.

00:02:59: Ich sitze abends zwei Stunden auf dem Sofa und trotzdem ist der Tag danach nicht aufgefüllt.

00:03:04: Katherine Price, das ist eine Wissenschaftsjournalistin die sich mit Freude und Spaß auseinander gesetzt hat, hat sich das genau angeschaut.

00:03:11: Sie unterscheidet echten Spaß von dem was sie Fake Fun nennt.

00:03:15: Echter Spaß braucht bei ihr drei Zutaten gleichzeitig.

00:03:18: Verspielt.

00:03:18: halt also diese Haltung dass es gerade um nichts geht Verbundenheit mit einem Menschen oder einem Tier oder mit der Sache selbst.

00:03:25: Und Flow, also dieses Aufgehen in etwas wo du für eine Weile aufhörst dich selbst von außen zu beobachten.

00:03:31: Und im Handy-Scrollen erfüllt nichts davon!

00:03:34: Es beschäftigt Dich, es überbrückt eine Zeit, es gibt Dir alle paar Sekunden einen kleinen Reiz und danach bist Du meist müder als vorher... ...und das will ich jetzt ohne erhobenen Zeigefinger sagen weil dieses abendliche Scrolling bei erschöpften Menschen eine Funktion hat.

00:03:48: Es ist die einzige Sache, die noch geht wenn der Akku bei zwei Prozent steht.

00:03:51: Und es braucht keine Entscheidung, keine Vorbereitung, kein Übergang und deswegen nannten wir da!

00:03:57: Und trotzdem füllt es nichts auf... ...und das ist der Punkt an dem ich lange hängen geblieben bin weil sich daraus eine ziemlich unangenehme Schleife ergibt.

00:04:05: Du bist erschöpft also machst du das Einfachste was du machen kannst uns kurz einfach am Handy aber das erholt dich nicht und deswegen bist du am nächsten Tag wieder erschöpt.

00:04:13: Aber jetzt kommt ein Punkt, den ich bei mir und meinem Mann beobachtet habe.

00:04:16: Wir haben diese Spieleabende nämlich irgendwann wieder angefangen Und am Anfang mussten wir uns fast dazu zwingen Also wirklich, da saßen zwei erwachsene Abends auf der Couch und mussten sich überwinden ein Spiel aus dem Schrank zu holen.

00:04:28: Obwohl wir beide genau wussten dass wir das mögen.

00:04:30: Wir haben es dann aber trotzdem gemacht also immer wieder Und dann wurde der Stress den wir empfunden haben weniger.

00:04:36: Es war genauso viel zu tun wie vorher Aber das Spielen selbst hat uns reguliert Und ab diesem Moment fiel es uns auch mal leichter Dass wir das fest in unser Leben integrieren.

00:04:45: Es war irgendwann kein Vorhaben mehr Das war einfach da.

00:04:48: Was sich dadurch verändert hat geht weit über dieses Spielritual hinaus.

00:04:52: Unser Umgang miteinander wurde wieder leichter und verspielter.

00:04:55: Wir sind rausgekommen aus dem Funktionieren, wir waren plötzlich wieder ein Paar das Freude miteinander teilt – und nicht nur zwei Menschen die ihre Jobs den Haushalt, Kinder- und To-do-Listen koordinieren!

00:05:05: Und ganz wichtig, und deswegen sage ich es auch so deutlich… Die Regulationen entsteht beim Spielen selbst, sie kommt danach und nicht davor.

00:05:13: Und genau so ist es bei mir auch mit dem Lesen und mit dem Sport.

00:05:16: Am Anfang ist da immer nur dieser Gedanke, oh ich müsste mal wieder... ...und eigentlich weiß ich auch das es mich gut tut!

00:05:22: Dann ringt man sich irgendwann durch und fängt einfach wirklich an.. ..und dann kann man gar nicht mehr aufhören.

00:05:27: Ich lese ein Buch nach dem anderen und merke wie's mir immer besser geht.

00:05:31: Wenn du also darauf wartest dass du erst wieder Energie hast und dann spielst, dann wartest du an der falschen Stelle Denn diese Energie kann über das Spielen zurückkommen.

00:05:40: Es gibt ein paar sehr spezifische Gründe, warum ausgerechnet bei spätdiagnostizierten Frauen das Spielen als erstes rausfliegt.

00:05:46: Die will ich jetzt einmal durchgehen, weil es einfach hilft zu wissen wo man ansetzen kann.

00:05:50: Der erste Grund ist diese Kopplung von Wert und Leistung.

00:05:53: Wenn du jahrzehntelang gemerkt hast dass dir Dinge schwerer fallen als anderen Und ihr das dann mit mehr Anstrengungen erklärt hast Dann wird Leistung zu so einer Art Eintrittskarte.

00:06:03: Du darfst dabei sein solange du lieferst.

00:06:05: Etwas bei dem am Ende nichts rauskommt passt in dieses System nicht.

00:06:08: rein Spielen produziert nichts und das ist ja der ganze Punkt.

00:06:12: Deswegen fliegt es meist auch als erstes raus.

00:06:16: Ein Tag, an dem du dauernd nachjustierst wie du klingst, wie du sitzt.

00:06:20: Wie lange du jemanden anschaust und wie viel von deiner Reizverarbeitung nach außen sichtbar wird – der kostet einfach richtig viel!

00:06:27: Und was dann abends noch übrig ist, das reicht einfach nur noch für die Grundversorgung und für den Couch.

00:06:32: Und spielen braucht so ein kleines bisschen Überschuss.

00:06:35: Der ist bei vielen von euch seit Jahren nicht mehr aufgetaucht.

00:06:38: Der dritte Grund liegt etwas weiter zurück.

00:06:40: Für viele neurodivergente Mädchen war Spielen ein Ort, an dem Kritik stattfand.

00:06:45: Du hast anders gespielt Intensiver länger nach deinen eigenen Regeln mit einem Thema das dich komplett eingenommen hat Und irgendjemand hat vielleicht auch kommentiert dass es komisch ist Dass es vielleicht zu viel ist Zu kindisch für den Alter In deine natürliche Art zu spielen immer wieder bewertet wurde Dann speichert dein System Spielen als etwas ab bei dem man aufpassen muss.

00:07:05: Der vierte Grund ist die Kehrarbeit, denn die Mütter unter euch spielen durchaus.

00:07:09: Aber immer eher als die zuständige!

00:07:11: Also du sitzt beim Puzzle mit deinem Kind und hast aber gleichzeitig im Kopf wenn du anfangen musst das Abendessen zu kochen oder ob der Tourenbeutel für deinen Kind schon gepackt ist und dass du schon wieder vergessen hast, dass dein Kind noch neue Schuhe braucht.

00:07:23: Also da ist Spielen eher Begleitung, aber du bist halt nicht voll da.

00:07:27: Zum Spielen gehört wirklich dass du in dieser Zeit für nichts zuständig bist.

00:07:31: und der fünfte Grund ist dieses Verschieben ins später.

00:07:33: Wenn erst der Haushalt läuft wenn erst die Diagnostik durch ist, wenn erst das Kind größer ist dann mache ich wieder das was mir Spaß macht.

00:07:40: also diese Liste hat einfach kein Ende.

00:07:42: sie fühlt sich immer wieder neu auf Und die Freude muss dann einfach immer wieder warten.

00:07:47: Ich will euch etwas aus meiner Kindheit erzählen weil es ganz gut zeigt warum diese Frage nach dem Spaß oft ins Leere läuft.

00:07:53: Meine Freundinnen wollten immer Barbie spielen.

00:07:56: Ich mochte Barbie auch, aber ich konnte mich halt stundenlang damit beschäftigen für die Barbies eine Welt aufzubauen.

00:08:01: also der Gartenteich wurde zum Urlaubsort und daneben musste dann natürlich auch das Hotel aus Kartons entstehen und ein Restaurant in der Nähe.

00:08:08: Und wenn es dann wirklich ans Spielen mit den Barbies geht, dann war ich raus.

00:08:12: Also das mochte ich wirklich überhaupt nicht.

00:08:13: Rollenspiele waren noch nie meins!

00:08:15: Ich habe gerne aufgebaut.

00:08:17: Barbie-Welten, Sims... ...Ich hab mein Zimmer alle zwei Wochen komplett umgestellt und die schweren Möbel alleine ver.. Ich weiß noch, ich hatte so ein ganz massives schweres Bett und ich habe das wirklich überall hingeschoben und geschaut ob es da gut aussieht.

00:08:29: Und wenn nicht dann hab' ich's wieder woanders hingeschoben.

00:08:32: aber wenn man dann abends fertig war und das Zimmer komplett neu gestaltet hat und dann im Bett zu liegen und sich das anzuschauen... Das war wirklich das beste Gefühl der Welt!

00:08:40: Wenn mich damals jemand gefragt hätte, ob ich gerne spiele, dann hätte ich vermutlich gesagt ja so mittel.

00:08:45: Weil das was alle Spielen genannt haben, das war für mich nur der langweilige Teil.

00:08:51: Mein Teil war das Erschaffen und das ist noch bis heute so.

00:08:54: Ich habe das jetzt vor allem bei Deko, bei Umgestalten von Räumen.

00:08:58: gerade hab' ich viel zu wenig Zeit dafür aber ich weiß dass mir das immer noch die gleiche Freude machen würde.

00:09:03: Und dieses Erschaffen also dieses Aufbauen von etwas Neuem Das habe ich mir vor allem über meinen Beruf und meine Selbstständigkeit ins Leben geholt.

00:09:10: Da kann ich alles so gestalten, wie ich möchte.

00:09:12: Mein Beruf ist zu einem sehr großen Teil Freude und Regulation für mich.

00:09:16: Wenn dir also auf die Frage was dir Spaß bringt erst mal nichts einfällt dann liegt das oft daran dass du an einer falschen Stelle suchst.

00:09:23: Also du musst nicht nach der Aktivität selbst suchen sondern nach deinem Anteil daran Nach der Qualität des Spielens die dir auch in der Kindheit schon Freude bereitet hat.

00:09:31: Bei ADHS läuft die Aktivierung über Interesse.

00:09:34: Dein System springt an, wenn etwas neu ist – wenn es dich interessiert, wenn's dringend ist und wenn eine spielerische Herausforderung enthält.

00:09:41: Deswegen kannst du wahrscheinlich auch mehrere Stunden völlig versunkenen Schrank umräumen, während dieses kleine einseitige Formular seit sechs Wochen da liegt!

00:09:49: Und fürs Spielen kann das auch ganz konkret heißen, dass alles was du dir als feste Gewohnheit vornimmst.

00:09:54: Also jeden Dienstag um sieben, das schläft ziemlich sicher wieder ein!

00:09:58: Was wirklich funktioniert sind Gelegenheiten, Abwechslungen und so'n bisschen Überraschung.

00:10:03: Bei Autismus kann dieser Zugang oft im Spezialinteresse liegen – und das ist wirklich eine der reinsten Spielformen überhaupt.

00:10:09: Du beschäftigst dich mit etwas weil es dich einfach komplett einnimmt.

00:10:12: Du gehst in die Tiefe, du sammelst, du systematisierst...und die Zeit verschwindet.

00:10:17: Da ist wirklich alles drin, was Spielen ausmacht.

00:10:19: Aber es wird nur selten so genannt, weil's von außen wie Arbeit aussieht oder als Marotte belächelt wird.

00:10:25: Dann gibt's dann noch diese sensorischen Spielformen die bei uns häufig eine viel größere Rolle spielen als beandern.

00:10:30: Ein Material das sich gut in den Fingern anfühlt Wasser Ton Sand ein bestimmter Stoff.

00:10:36: da liegt Stimming einfach ganz nah dran.

00:10:38: also diese rhythmischen Bewegungen.

00:10:39: Das reguliert und fühlt sich gleichzeitig einfach gut an.

00:10:42: Und wenn wir uns fragen wo Freude bei uns im Körper stattfindet Dann ist es bei vielen von uns genau da.

00:10:48: Und dann gibt's noch das Parallelespielen!

00:10:50: In der Entwicklungspsychologie beschreibt, dass kleine Kinder die nebeneinander spielen – jedes Kind für sich und trotzdem miteinander.

00:10:57: Und auch für viele neurodivergente Erwachsene ist genau das auch die angenehmste soziale Form.

00:11:02: Ihr sitzt zusammen am Tisch und jeder macht ihr eigenes Ding Es wird geredet wenn jemand was sagen will und es entsteht Verbundenheit ohne die Anstrengungen permanent aufeinander reagieren zu müssen.

00:11:12: Also wenn die Verabredungen öfter mal zu viel sind, dann schlag doch einfach mal vor dass ihr zusammen irgendwas bastelt was malt oder einfach zusammen irgendwie kreativ seid.

00:11:22: Also gerade bei neurodivergenten Menschen sehe ich diese kreativen Kreise in Social Media grad immer öfters und irgendwie löst das total.

00:11:28: was sieht mir aus weil ich das so schön finde wie dieser erwachsenen Frauen einfach zusammen am Tisch sitzen und jeder für sich aber trotzdem irgendwie zusammen etwas gestalten.

00:11:36: Aber es gibt eine Falle, die ich unbedingt noch ansprechen will weil sie fast alle betrifft.

00:11:40: Sobald Spaß nämlich zur Aufgabe wird kann das wieder komplett blockieren.

00:11:44: Also du nimmst dir vor dass du jetzt endlich wieder malst Du kaufst die Farben und du legst alles bereit Und ab dem Moment rührst du's einfach nicht mehr an.

00:11:52: Ich hatte dazu ne Klientin bei der das richtig schön aufgegangen ist.

00:11:55: Sie hat nämlich früher gerne gemalt Mit Acryl oder Wasserfarben, ich kenne mich da jetzt nicht so aus aber sie hat mir gesagt, dass sie das total gerne wieder machen würde.

00:12:02: Aber irgendwas hält sie davon ab Und wir haben so ein bisschen darüber gesprochen und dann kam raus, dass sie das leere Blatt komplett überfordert.

00:12:09: Also habe ich hier vorgeschlagen sich erstmal einen Erwachsenen-Mailbruch zu holen.

00:12:13: Damit hatte sie dann genug Struktur, um überhaupt ins Tun zu kommen.

00:12:17: Und in einer der Nachbesprechungen hat sie mir letztens erzählt dass sie mittlerweile wieder richtig frei malte und auch das es ihr so viel gibt und das ist hier am Ende auch soviel mehr Regulation gebracht hat als die ganzen Tools und Übungen die wir vorher besprochen hatten.

00:12:29: also das ist wirklich ein Punkt den ich mittlerweile ganz oft mitgebe.

00:12:32: Also Struktur ist beim Spielen keine Einschränkung sondern auf der Tür öffner Ein Malbuch, ein Bausatz, ein Rezept, einen Brett mit klaren Regeln.

00:12:41: Alles was dir diese ersten Entscheidungen abnimmt das macht den schönen Teil dann überhaupt erst zugänglich.

00:12:46: Bei vielen von uns ist diese völlig offene Freizeit die schwerste Form überhaupt weil sie einfach so viele Entscheidungen enthält.

00:12:53: Und noch was zu diesem Ergebnisdruck, weil das kommt nämlich bei uns Nori-Divagenten auch häufig vor.

00:12:58: Sobald eine Sache bei uns gut wird, kommt ziemlich schnell der Gedanke ob man es nicht auch verkaufen könnte.

00:13:03: Aus dem Nähen wird ein Shop aus den Zeichnen wird eine Bestellung für die Nachbarin.

00:13:07: in dem Moment ist das Spiel weg und die Arbeit ist da.

00:13:10: Und er spricht doch nichts dagegen wenn du dir das bewusst machst.

00:13:12: aber es ist wichtig das zu merken und sich dann vielleicht ne andere Sache zu suchen die niemandem gehört außer dir.

00:13:18: Und was mir total aufgefallen ist, also in diesen Flow oder den Hyperfokus komme ich fast immer dann wenn es richtig knifflig wird.

00:13:24: Bei mir sind das große technische Projekte am Laptop.

00:13:27: Also zum Beispiel meine Website bauen mich in Detailtrein-Fuchsen Tests erstellen und das alles zu coden.

00:13:33: Also herauszufinden wie ich so eine Idee die ich mir meinem Kopf ausgemalt habe dann auch technisch umsetzen kann.

00:13:39: Das sind wirklich die Momente wo ich komplett die Zeit vergesse und einfach zu hundert Prozent im Hyperfocus bin.

00:13:44: Und wenn ich jetzt so darüber nachdenke, dann ist es auch genau das was ich schon als Jugendliche gemacht habe.

00:13:48: Es gab früher Knuddles – das war so ein Chatportal, ich weiß nicht ob ihr das kennt und da konnte man sich eine eigene Homepage erstellen!

00:13:55: Ich hab mich da völlig reingefuchst in meine Seite mit allen möglichen Codes und einfach richtig schön gestaltet.

00:14:01: Also für einen richtig echten Hyperfokus muss es bei mir ein bisschen schwieriger werden und zu leichte Sachen ziehen mich da gar nicht so rein.

00:14:08: Viele neurodivergente Menschen brauchen einfach so'n kleinen Widerstand an dem sie sich festbeißen können.

00:14:13: Eine Sache wollte ich noch mit euch teilen, die ich ziemlich interessant fand.

00:14:16: Denn Stuart Brown hat aus seinen Spielbiografien acht Grundmuster herausgearbeitet also acht Arten wie Menschen spielen und ich gehe mal mit ihr durch weil das so eine gute Landkarte ist.

00:14:25: wenn dir zu der Frage nach dem Spaß nicht wirklich was einfällt Die meisten finden sich in zwei oder drei Kategorien davon wieder.

00:14:32: Die Sammlerin spielt indem sie zusammenträgt und ordnet Bücher Steine Schallplatten Pflanzen Rezepte Daten.

00:14:40: Also das Sortieren und Vervollständigen ist der Genuss.

00:14:43: Das war bei mir früher sehr stark, also Diedelblätter, Pokémon-Karten, Sticker... Ich habe das früher so geliebt und heute hab ich das nicht mehr so aber ich bin gerade dabei mir wieder ein Diedellordner und Blätter zu bestellen!

00:14:53: Ich hab mich in der letzten Zeit einfach wieder mehr damit beschäftigt und diese Diedelsachen die lösen einfach irgendwie total positive Gefühle in mir aus Und deswegen bestelle ich mir das jetzt einfach mal und schau ob es nur so ein kurzer Moment ist oder ob ich vielleicht wirklich wieder ins Samen reinkomme.

00:15:06: Dann gibt es die Wettkämpferinnen, die brauchen Regeln, Punkte und ein Gegenüber.

00:15:11: Also Brettspiele, Kartenspiele Videospiele Sport oder auch einen Wettbewerb.

00:15:15: Da bin ich auch drin aber eher so bei Brettspielen und Wettbewährten In Videospielen und im Sport.

00:15:20: da war ich nie besonders gut.

00:15:22: Ich hatte auch immer Angst vor dem Ball weil ich zu unaufmerksam war und den dann ständig abbekommen habe.

00:15:26: Die Entdeckerin spielt in dem sie Neues aufsucht Ein unbekannter Weg, ein Thema in das sie sich einliest.

00:15:32: Eine Musikrichtung die sie noch nicht gehört hat.

00:15:34: Weil ADHS ist das oft der stärkste Motor weil diese Neuheit direkt in die Aktivierung geht.

00:15:40: Die Gestalterin macht was mit ihren Händen und mag es einfach, wenn unter ihren Fingern etwas entsteht.

00:15:44: Das ist meine zweite große Art zu spielen!

00:15:47: Ich mache total gerne alles Mögliche selbst – ich nähe, ich mache Kerzen, ich plotte also wirklich alle mögliche.

00:15:53: Was sich nur überhaupt nicht kann, ist nach einer Anleitung arbeiten.

00:15:56: Also ich erschließe mir den Weg lieber selbst.

00:15:58: Für komplizierte Nähanleitungen hatte ich noch nie die Geduld.

00:16:01: Ich habe auch nie einen Nähkurs oder sowas besucht und ich hatte trotzdem eine erfolgreiche Firma für handgenähtes Bibespielzeug.

00:16:09: Also, ich finde einfach gerne meine eigenen Lösungen!

00:16:12: Und da schließt sich der Kreis zu meinem Barbie-Aufbau und den Zimmern von früher.

00:16:16: Es ist bei mir nämlich dasselbe Muster also dieses Erschaffen aber in einer neuen Form.

00:16:20: Die Regisseurin spielt indem sie plant und arrangiert Ein Fest ausrichten, ne Reise organisieren Menschen zusammenbringen ein Projekt aufsetzen und für sie es meist die Planung selbst.

00:16:31: der schönste Teil.

00:16:33: Da bin ich auch zum Teil, aber mittlerweile fast nur noch beruflich.

00:16:36: Also früher habe ich das geliebt zum Beispiel in den Urlaub zu planen und heute überfordert mich das eher.

00:16:41: Das finde ich selbst interessant weil es auch so ein bisschen zeigt dass sich diese Muster über die Zeit einfach in andere Bereiche verschieben können.

00:16:48: Und dann gibt es die Spielform Humor, also Wortspiele, Einwandheit, absurde Sprachnachrichten, lustige Memesverschicken das Kind zum Lachen bringen.

00:16:57: Diese Form ist auch die zugänglichste von allen weil sie kein Material und keine Vorbereitung braucht und mitten im Alltag stattfindet.

00:17:03: Der Bewegungsmensch spielt über den Körper, tanzen, schwimmen, klettern, laufen und zwar wegen des Gefühls von Bewegung und nicht wegen der Zielwerte.

00:17:12: Und die Geschichtenerzählerin spielt über Erzählungen.

00:17:14: Lesen, schreiben Serien, Rollenspiele in andere Welten eintauchen.

00:17:19: also wenn du als Kind stundenlang in Büchern verschwunden bist dann kennst Du das wahrscheinlich gut.

00:17:23: Also bei dieser Auflistung kannst Du einfach mal so ein bisschen in Dich hineinspüren was deine Spielqualitäten quasi sein können und Wenn Du das als kind gerne gemacht hast Dann kannst Du das auch jetzt als Erwachsenin vielleicht einfach in einer anderen Form wiederbeleben Denn diese Spur ist meist noch da.

00:17:38: sie hat nur halt die erwachsene Reform angenommen.

00:17:40: Wenn du nur eine Sache aus dieser Folge mitnimmst, dann bitte die.

00:17:44: Warte nicht bis du wieder Energie hast!

00:17:46: Denn die kommt häufig beim Spielen zurück und nicht davor.

00:17:49: Wenn dir gerade nichts einfällt was dir Spaß machen könnte, dann geh zurück zu dem Kind das du mit Acht warst.

00:17:54: also bleib da nicht bei der Aktivität sondern schau genau was die Qualität dieser Aktivitäten ist.

00:17:59: Ich bestell mir jetzt auf jeden Fall meinen Diedelordner und ich hoffe so ein bisschen, dass sich in diese Sammelleidenschaft wieder reinkommen.

00:18:04: Also ich werde hier zwar nicht mehr auf dem Schulhof die Diederblätter tauschen aber ich kann ja vielleicht im Internet schauen ob ich da vielleicht neues Blattendecke was ich noch nicht habe.

00:18:11: also ich schaue einfach mal wie das so wird und ja vielleicht kann ich ja sogar meine Kinder damit anstecken.

00:18:16: Also mal schauen!

00:18:17: Ich wünsche dir auf jeden fall ganz viel Spaß und Freude und ich hoff wirklich, dass du diesen Teil wieder mehr an dein Leben bekommst.

00:18:23: und ja ich wünsch dir eine ganz schöne Woche.

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