6 - Fawning und Grenzen setzen
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00:00:00: Wenn ich früher jemanden kennengelernt habe, dann lief in den ersten Sekunden so ein ganzes Programm mit mir ab.
00:00:05: Ich hab geschaut was da für einen Mensch vor mir steht und welcher Stimmung er gerade ist wie er spricht worüber er lacht was ihn wahrscheinlich stört Und dann bin ich zu der freundlichsten Version von genau diesen Menschen geworden.
00:00:15: Ich habe Attribute von ihm übernommen immer an der weichsten unangreifbarsten Fassung die möglich war.
00:00:21: Meine Werte habe ich dabei zwar nicht übergangen also das war eine klare Linie von mir aber alles andere war verhandelbar wenn es diese Situation ruhiger gemacht hat.
00:00:29: Ich habe das Jahrzehnte lang gemacht und ich war so guter drin, dass sich das lange selbst nicht bemerkt hat.
00:00:35: Wir sind diese Woche im Kurs bei Module sechs also bei der Frage wer du eigentlich bist wenn du aufhörst dich anzupassen?
00:00:41: Ich möchte euch heute erzählen wie es bei mir aussah, wann ich angefangen habe das zu verändern und wie ich heute mit Grenzen umgehe.
00:00:47: Für dieses Verhalten was ich gerade beschrieben hab gibt es einen Begriff.
00:00:50: Vorne ist das englische Wort für Kids, also ein junges Reh.
00:00:54: Und ich finde das Bild passt ziemlich genau!
00:00:56: Also wer greift schon ein kleines süßes unschuldiges Reh an?
00:01:00: Vornhin gehört zu den Überlebenstrategien die wir meist sehr früh lernen – also die kommen oft schon aus der Kindheit.
00:01:05: Manchmal auch ein bisschen später zum Beispiel in einer belastenden Situation aber meistens kommt es wirklich in der Kindheitssint vor.
00:01:11: Die bekannteste Überleben-Strategie ist der Kampf.
00:01:13: Also alles was in Richtung Angriff, Vorwurf und Kontrolle geht.
00:01:17: dann gibt es Flucht, also den Raumverlassen das Gespräch abbrechen, wegziehen und das Thema wechseln.
00:01:23: Es gibt Erstanen wo einfach nichts mehr geht, wo man nichts mehr sagen kann und sich eigentlich auch gar nicht mehr wirklich bewegen kann.
00:01:29: Und es gibt eben Forening Wo man die Verantwortung dafür übernimmt dass sich diese Situation wieder auflöst.
00:01:35: Man wird extra nett, extra vorsichtig, extra aufmerksam und schaut was die andere Person gerade braucht damit alles wieder gut ist.
00:01:42: Das läuft nicht ins Entscheidungen ab Das läuft ganz automatisch, weil in dem Moment der Überlebensmodus angeht.
00:01:48: Es gibt zwei unterschiedliche Wurzeln aus denen Vorning entstehen kann und ich glaube das kann ein Grund sein warum sich viele mit dieser üblichen Beschreibung nicht so richtig zurechtfinden.
00:01:58: Die eine ist die Anerkennung und Zuneigung.
00:02:00: Wenn du als Kind Liebe vor allem dann bekommen hast wenn du etwas geleistet hast oder wenn du jemanden glücklich gemacht hast Dann liest du Menschen auch sehr genau aber mit einer anderen Frage im Kopf.
00:02:10: Du schaust, was diese Person mag.
00:02:12: Was sie sich wünscht, worüber sie sich freuen würde und dann machst du genau das.
00:02:16: Das Geschenk ist perfekt ausgesucht!
00:02:18: Du denkst an alles, du bist für alle da.
00:02:21: von außen sieht es danach großer Fürsorger aus aber im Inneren ist es eher der Versuch gemocht zu werden.
00:02:27: Die andere Wurzel ist Sicherheit.
00:02:29: Da liest du Menschen ebenfalls Aber du suchst noch etwas anderem.
00:02:32: Du suchst nach dem was gleich passieren könnte.
00:02:35: Bei mir war's die zweite Variante Und zwar in einer ganz bestimmten Form.
00:02:39: Bei mir ging es um Berechenbarkeit.
00:02:41: Kommunikation ist für mich nicht intuitiv, ich habe das nie so einfach mitbekommen wie andere Menschen das offenbart tun.
00:02:47: also ich scanne und analysiere permanent Also Tonfall, Gesichtsausdruck, Pausen, Wortwahl.
00:02:52: Ich rechne die ganze Zeit im Hintergrund aus was das jetzt bedeuten könnte Und was gleich kommt und mein Nervensystem beruhigt sich erst dann ein bisschen, wenn die Situation vorhersehbar ist.
00:03:01: Und genau das habe ich mit dem Forening hergestellt!
00:03:04: Ein Mensch, den es in meiner Gegenwart gut geht, ist berechenbar – einen Menschen, den ich beruhigte, der macht meistens nichts womit ich nicht gerechnet hab.
00:03:11: Ich hatte Gespräche so gelenkt, dass man gegenüber möglichst komfortabel war, weil ich dann einfach ungefähr wusste wohin das Ganze läuft… und solange alle zufrieden mit mir waren konnte ich mich auch frei
00:03:21: bewegen.".
00:03:22: und wenn alle ruhig waren, wenn niemand enttäuscht oder verletzt oder sauer auf mich war dann habe ich eine weile luft und konnte mein kram machen.
00:03:29: Und ich hab einfach ziemlich viel energie darauf verwendet diesen zustand aufrecht zu erhalten.
00:03:34: diese strategie hatte bei mir mehrere schichten und ich erzähle euch die weil ich glaube dass ihr vielleicht einiges davon wieder erkennt.
00:03:41: Ich habe mich früher dumm gestellt, damit ich nicht kompliziert wirke.
00:03:44: Ich hatte in der Schule die meiste Zeit immer die besten Noten und ich glaube die Leute um mich herum haben sich ehrlich gefragt wie ich das hinkriege weil ich nach außen eher total tollpatschig und schusselig gewirkt hab.
00:03:54: aber das war kein Zufall das habe ich bewusst so hergestellt.
00:03:57: auf eigene Fehler habe ich mit Humor reagiert und zwar sofort und als erste denn wenn ich selbst über mich lache dann bin ich einfach nicht mehr angreifbar weil es halt schon meine Ponte war.
00:04:08: Ich habe mich so unauffällig angezogen, wie es irgendwie ging.
00:04:11: Immer basic!
00:04:12: Entweder legär und ein bisschen cool oder eher schick.
00:04:15: Immer so dass ich ja als attraktiv durchgehe und trotzdem niemanden wirklich auffalle.
00:04:20: Nie Farbe, nie extravagant, nie etwas worüber irgendjemand einen Kommentar machen könnte.
00:04:25: Und ich hatte dann einfach jahrelang meinen Kleidungsziel.
00:04:27: Ich hab Sachen immer wieder getragen.
00:04:29: Es ist ja vor allem mit Autismus ziemlich schwierig, Sachen zu finden die wirklich so bequem sind dass man sie jeden Tag tragen könnte.
00:04:35: Aber wenn man dann so ein Teil gefunden hat, dann trägt man es halt auch wirklich einfach durchgehen.
00:04:40: und ich hatte eine Hose die habe ich glaube ich von zwanzig bis Anfang dreißig wirklich immer getragen.
00:04:48: also ich hatte diese Hose Ich glaube in der Zeit mindestens dreißig Mal, wenn nicht sogar mehr.
00:04:54: Und ich hatte die in verschiedenen Farben und die habe ich einfach immer getragen.
00:04:58: Und kennt ihr das?
00:05:00: Wenn ihr so ein Lieblingsteil habt was ihr dann einfach immer trägt und das könnt ihr dann bisschen anders kombinieren also ich hatte dann ja gut ich hatte meistens eigentlich auch das gleiche Oberteil dazu an im Sommer in Kurz Ja ihr kennt das bestimmt.
00:05:13: Also dass man einfach immer wieder die gleichen Sachen trägt, indem man sich einfach vorfühlt und sich gut auf der Haut anfühlen.
00:05:19: Und dann war es irgendwann so, dass ich... Das ist einfach nicht mehr modebar.
00:05:24: also Skinny Deans waren einfach out!
00:05:28: Dann irgendwie was Neues zu finden, das war auch hart.
00:05:31: Naja, ich bin ein bisschen abgeschreibt aber das zeigt halt auch nochmal wie schwierig das ist wenn man so ein bisschen festgefahren ist in dem was man für sich akzeptiert Wie schwer es dann ist, wenn dann so ein Modewechsel kommt und man hat aber so ein bestimmtes Bild was man nach außen tragen kann.
00:05:48: Und eine Skinny Jeans jetzt würde ja in der heutigen Zeit auch schon wieder auffallen.
00:05:54: Deswegen muss man sich da anpassen.
00:05:56: Es sind trotzdem wieder Veränderungen.
00:05:59: Schwieriges Thema, aber darum soll's gar nicht so wirklich gehen!
00:06:03: Ich war immer die unauffälligste Person, die man sich vorstellen kann Und dabei hätte ich so viel zu erzählen gehabt.
00:06:08: Ich liebe zum Beispiel gute Diskussionen, ich mag es wenn das Gespräch irgendwo hingeht Wenn Gedanken aufeinandertreffen, wenn jemand mir widerspricht und ich merke dass mein Kopf einfach anspringt.
00:06:18: Und gleichzeitig ist es aber auch oft so, dass wenn ich zu lange maskiere dann schaltet meinen Gehirn irgendwann ab und ich habe keinen Zugang mehr zu meinem Wissen.
00:06:25: Ich weiß daß sich etwas dazu zu sagen hätte Aber...ich komme nur noch anders gefühlt und nicht mehr an die Information dazu.
00:06:32: Also wisst ihr was ich meine?
00:06:34: Also ich hab die Informationen aufgenommen und habe sie mit einem Gefühl abgespeichert.
00:06:38: Und ich weiß wie ich dazu stehe, aber ich kriege die Informationen dazu nicht mehr her.
00:06:43: Schriftlich bin ich viel besser darin mich auszudrücken als mündlich!
00:06:46: Das ärgert mich einfach so sehr... ...und weil das so ist, habe ich mich sehr lange zurück genommen.
00:06:50: Aber dazukommt noch dass wenn du sehr gut darin bist Menschen zu regulieren.. ..das dann einfach nie was eskaliert.
00:06:56: Wenn nie was escaliert, dann hast Du auch keinen Beweis dafür, dass Deine Vorsicht überhaupt nötig war.
00:07:01: Dann kommt vielleicht irgendwann der Gedanke, dass du dir das alles nur einbildest.
00:07:04: Dass du dir umständlich Mühe gibst bei Menschen, bei denen das eigentlich gar keiner bräuchte und auch dass du die einzige bist, bei der irgendwas nicht stimmt.
00:07:11: Vielleicht kennst du diese Gedanken?
00:07:13: Es kommt meistens dann wenn man das erste Mal so vorsichtig was ausprobieren will, irgendeine Grenze setzen will... Bei der man aber fest damit rechnet, dass es jetzt ungemütlich wird und dann passiert einfach nichts!
00:07:28: Das erste mal, dass ich mich wirklich sicher gefühlt habe, das war beim Mann.
00:07:33: Ich kann euch dazu jetzt keinen so einzelnen Moment nehmen, weil den gab's halt einfach nicht.
00:07:37: Es war eher so dass ich Stück für Stück authentischer geworden bin und das sich dabei einfach nichts verschlechtert hat.
00:07:42: Ich hab angefangen nicht mehr perfekt sein zu wollen!
00:07:45: Ich habe nicht mehr durchgehend gelächelt... ...ich habe meine Bedürfnisse klarer gesagt und unsere Beziehung ist dadurch eher besser geworden.
00:07:52: Und das Schönste daran ist etwas womit ich eigentlich gar nicht gerechnet habe Denn dadurch, dass ich authentischer wurde habe ich ihm indirekt die Erlaubnis gegeben das auch zu sein.
00:08:01: Und wir haben heute so eine ehrliche Beziehung.
00:08:03: also wenn das kleinste bisschen Disharmonie da ist dann kann ich das sofort ansprechen und es nimmt mir eine unendliche Last weil unausgesprochenes macht mich wirklich wahnsinnig.
00:08:12: Wir wissen dadurch einfach immer woran wir bei dem anderen sind und keiner von uns muss irgendwie was erraten.
00:08:17: Für mich war das die Erfahrung die alles für uns reuen gebracht hat.
00:08:21: Also ich hab gelernt dass sich mich zeigen kann und dass wir das aushalten Und heute erlaube ich mir das einfach alles.
00:08:27: Ich erlaub, mir kompliziert zu sein!
00:08:29: Also ich mute meine manchmal komplexen Gedanken anderen zu und schaue einfach ob sie mitgehen können oder nicht... ...und wenn ich ist es auch okay aber manchmal sind dadurch auch interessante Gespräche zustande gekommen mit denen ich gar nicht gerechnet hätte.
00:08:42: Ich herlaut mir nicht immer gut gelaunt zu sein.
00:08:44: Ich bin nicht für die Gefühle von andern verantwortlich.
00:08:47: also wenn ich nicht gut drauf bin dann kann ich das mittlerweile auch zeigen ohne jetzt Angst zu haben dass ich jetzt die andere Personen mit reinziehe.
00:08:54: Ich erlaub mir, dass ich keine perfekte Hausfrau bin.
00:08:56: Also ich bin quasi gar keine Hausfrauer.
00:08:58: Ich mach zwar den Haushalt und koche auch mal aber ich mache es weil's einfach nötig ist damit ich mich wohl fühle und nicht wegen irgendeiner Rolle oder damit mein Mann mit mir zufrieden ist.
00:09:08: überhaupt nicht!
00:09:10: Mein Mann lebt hier genauso und er hat seine Ansprüche ans Haus und ich hab meine Ansprüchen ins Haus Und jeder schaut einfach das es hier seinen Ansprüchendach aussieht und nicht mehr und nicht weniger.
00:09:20: Und mal sind meine Ansprüche hoch und mal sind meiner Ansprüchel ganz niedrig, weil ich gerade ganz andere Prioritäten habe.
00:09:26: Das ist auch vollkommen okay!
00:09:28: Ich könnte davon jetzt noch super viele Beispiele bringen aber ich glaube ihr wisst worauf ich hinaus möchte.
00:09:32: Ich hab einfach über die Jahre gemerkt dass sich schwierige Situationen aushalte und das ich auch trotz meiner sozialen Unsicherheit für mich einstehen kann vor allem wenn es um Ungerechtigkeit geht Und ich bin damit auch noch nicht fertig, also das will ich ganz ehrlich sagen.
00:09:45: Ich gebe immer noch viel zuviel Trinkgeld, auch wenn ich mit dem Essen oder dem Service oder der Frisur überhaupt nicht zufrieden war.
00:09:50: Also da sitzt es offenbar noch ein bisschen fester.
00:09:53: Was sich auch sehr stark verändert hat ist mein Umgang mit Bitten!
00:09:56: Ich habe jahrelang wirklich alles für andere getan.
00:09:59: Ich habe immer geholfen, immer Sachen für andere gemacht bis ich irgendwann keine Kapazitäten mehr hatte.
00:10:04: Es kam vor allem mit meinem Sohn und später als meine Tochter dann da war... Da war klar dass es so nicht weiter geht!
00:10:10: Da hab' ich begriffen das sich nein sagen kann.
00:10:12: Ich helfe nach wie vor gerne aber mache's nur noch dann wenn ich die Kapazität dafür hab und wenn ich diese Sache in diesem Moment auch für mich selbst tun würde.
00:10:20: Das ist mein wichtigster Prüfstein geworden, ich gebe dir mal ein Beispiel dafür.
00:10:24: Also meine Oma telefoniert generell nicht gerne aber vor allem auch nicht mit Arztpraxen und sie hat mich gefragt ob ich einen Termin für Sie machen kann.
00:10:31: Früher hätte ich das sofort gemacht.
00:10:32: Ich telefoniere selbst auch nicht gerne Aber für andere fällt mir sowas immer leichter.
00:10:37: Dann habe ich kurz überlegt also Meine Oma macht es nicht gerne Und sie hat aber Zeit!
00:10:41: Ich mache's auch nicht Gerne und bei mir liegen mindestens drei Telefonate auf genau derselben Ebene die ich für mich selbst seit Wochen vor mir hinschiebe.
00:10:49: Wenn ich es also für sie mache und für mich selbst nicht, dann ist das mir gegenüber einfach nicht fair.
00:10:54: Also habe ich es nicht gemacht!
00:10:56: Und das war dann auch nicht schlimm, meine Oma hat es dann auch geschafft.
00:10:59: Ich muss dir einfach zeigen dass hier unbequeme Sachen nicht auf mich schieben kann weil die für mich halt einfach auch un bequem sind.
00:11:05: Ich hab noch ein Beispiel... Also nach der Geburt meines Sohnes habe ich mich mit einem Shop für selbstgemachtes Kinderspielzeug und so personalisierbare Poster selbstständig gemacht.
00:11:13: Freund und Familie haben dann immer mal gefragt, ob ich ihnen was machen können wenn sie ihn geschenkt brauchten.
00:11:18: Und das habe ich auch lange gemacht.
00:11:19: Also später hatte ich einen Lager, ich hatte Mitarbeiterinnen und Näherinnen... ...und da war das überhaupt kein Thema!
00:11:24: Ich hab den einfach irgendwas aus dem Lager gegeben.. ..und es war jetzt aber keine Arbeit für mich.
00:11:28: Aber als ich wieder mehr als Psychologin gearbeitet hat und das Geschäft heruntergefahren habe, dann kam irgendwann nochmal die Frage ob ich noch irgendwas nähen kann.
00:11:35: Da habe ich dann nein gesagt weil ich hätte selber nähen müssen.
00:11:37: Ich hatte nichts mehr auf Lager.
00:11:39: Und da ist mir einfach klar geworden dass sich so ein Spielzeug in dem Moment nicht mehr ein eigenes Kind genäht hätte, weil ich schlicht einfach keine Energie dafür übrig hatte.
00:11:46: Früher hätte ich es trotzdem gemacht, weil es mir einfach so wichtig war diesen Frieden zu wahren.
00:11:51: Die Frage die ich mir mittlerweile bei solchen Situation immer stelle ist braucht die Person gerade wirklich meine Hilfe oder findet sie vielleicht jemand anders mit mehr Kapazitäten?
00:12:00: Oder kann sie das sogar selbst?
00:12:02: Und vor allem auch würde ich das in diesem Moment für mich selbst tun.
00:12:05: Wenn meine Hilfe tatsächlich erforderlich ist, dann bin ich da – also das steht wirklich außer Frage!
00:12:10: Aber wenn nicht und wenn ich gerade die Kapazitäten dafür nicht habe… Dann ist es mittlerweile einfach wirklich ein
00:12:15: Nein.".
00:12:16: Und was mir in solchen Situationen und auch in anderen Situationen häufig hilft, ist dass ich mich nicht sofort entscheiden muss.
00:12:22: Also wenn mich mittlerweile jemand fragt dann sage ich inzwischen das sich einfach nochmal durchdenken möchte und mich später melde... ...und dann spüre ich in Ruhe in mich hinein wie sich ein Ja anfühlen würde und wie sich einen Nein anführen würde.
00:12:33: also das was ich eher weit anfühlt, das mache ich!
00:12:36: Und alles was ich irgendwie eng anfühle, was so ein ungutes Gefühl hinterlässt, das sag' ich ab.
00:12:41: Also wenn du häufig viel zu schnell Jahr sagst und es dann hinterher bereust, dann ist das vielleicht so ein kleiner Schritt den du ausprobieren kannst.
00:12:48: Du musst noch keine richtige Grenze setzen aber du verstiebst den Zeitpunkt der Antwort!
00:12:52: Und das reicht oft schon weil dieses Forening genau in diesen ersten Sekunden passiert.
00:12:57: Wenn du aber erstmal nicht reinspüren kannst und wirklich die Zeit hast zu überlegen was du wirklich möchtest Dann kannst du im Nachhinein viel klarer für dich selbst entscheiden und du bist auch aus dieser direkten Situation raus Und du hast dann auch eher die Möglichkeit, dann vielleicht eher bei WhatsApp zu antworten.
00:13:11: Was dann vielleicht auch diese Situation nochmal so ein bisschen auflockern würde?
00:13:14: Weil du wirklich auch länger überlegen kannst wie du jetzt Antworten möchtest.
00:13:18: Also versuch mal zu lernen dieser Antwort einfach ein bisschen hinauszuzögern.
00:13:22: Es gibt eine Sorte Grenze, die bei uns besonders auf vorkommt und ist auch besonders schwer zu erklären.
00:13:27: Das sind die sensorischen und die energetischen Grenzen.
00:13:30: Vor kurzem war meine Mama zur Besuch.
00:13:32: der Tag war richtig anstrengend also ich habe die Nacht vorher wenig geschlafen Die Kinder haben ununterbrochen gestritten sie waren laut wild unzufrieden Und irgendwann hab ich zu ihr gesagt dass sich nicht mehr kann und das jetzt gehen muss weil ich einfach dringend duschen muss.
00:13:45: Also Duschen is wirklich meine Notfallregulation und das habe ich ja auch vorher schon mal erklärt Und deswegen wusste sie auch genau, was ich damit meine und sie hat das auch total gut aufgenommen.
00:13:54: Aber das ist meistens auch so eine Grenze die sich ganz schlecht begründen lässt.
00:13:57: Also von außen kann es vielleicht aussehen wie so ne merkwürdige Laune und für mich war das ein Punkt an dem mein System komplett zugemacht hat.
00:14:04: Und diese Grenzen sind auch deshalb so schwer zu erklären, weil sie oft mit Kontrolle zu tun haben.
00:14:08: Also ich kann auf ein Konzert gehen wo die Boxen drühen und es geht mir großartig dabei, weil ich weiß worauf ich mich einlasse Weil ich es ausgesucht habe und weil ich jederzeit rausgehen kann.
00:14:18: Dann sitze ich zu Hause und da sind die normalen Hintergrundgeräusche Da sind meine Kinder das vielleicht nervensystem was einfach durch wenig Schlaf in der Nacht zuvor sowieso schon nicht so reguliert ist.
00:14:27: Und dann kommen diese ganzen kleinen Sachen oben drauf und irgendwann ist es einfach zu viel.
00:14:32: Also wenn ich es selbst steuern kann, dann kann mein System auch eine Menge aushalten.
00:14:36: Wenn es aber von außen kommt und ich es nicht abstellen kann... Dann wird's richtig anstrengend!
00:14:40: Und das sind einfach die Grenzen, die du vielleicht auch ein bisschen erklären musst.
00:14:44: Und wenn man anfängt auch solche Grenzen zu setzen, dann lernen die Menschen um dich herum nicht einfach noch mal viel besser kennen und man gerät einfach aus seltener solchen Situationen weil von ihnen vielleicht auch viel mehr auf dich geachtet wird.
00:14:55: Also es schafft einfach mehr Sensibilität für das Thema Neurodivergänse und für die sensorische Empfindlichkeit und es gibt den Leuten in deinem Umfeld auch die Chance sich da ein bisschen mehr zu schützen Weil sie vielleicht auch die Möglichkeit haben Reizte von dir fernzuhalten indem Sie zum Beispiel die Kinder umlenken Ruhe geben.
00:15:15: Also sowas kann sich erst entwickeln, wenn man das ehrlich kommuniziert und da auch wirklich seine Grenzen setzt.
00:15:19: Aber wenn man gerade ist anfangen, Grenzen zu setzen dann können auch Schuldgefühle hochkommen.
00:15:24: also bei mir kamen die anfangs auf jeden Fall sofort.
00:15:26: Was mir sehr dabei geholfen hat, ist eine Unterscheidung zwischen zwei Sorten von Schuld.
00:15:31: Die eine Sorte ist berechtigt also du hast vielleicht tatsächlich gegen deine eigenen Werte gehandelt oder du hast jemand unfair behandelt Oder es steht einfach ne Entschuldigung deinerseits an.
00:15:40: Dieses Gefühl zeigt dir dann einfach etwas richtiges an und da lohnt es sich auch ihm zuzuhören.
00:15:45: Und die andere Sorte kann sich genauso anfühlen.
00:15:47: aber sie meint etwas völlig anderes.
00:15:49: Du fühlst dich schuldig weil du eine Grenze gesetzt hast Weil du jemand einen Wunsch nicht erfüllt hast und du das Gefühl hast, du müsstest dafür sorgen dass dieses Gefühl wieder verschwindet.
00:16:01: Und diese zweite Sorte war bei mir jahrelang der Motor für praktisch alles!
00:16:05: Und sie sagt nichts darüber aus ob deine Entscheidung richtig war.
00:16:08: Sie sagt nur, dass du gerade etwas getan hast was du früher nicht getan hättest.
00:16:12: Es kann in diesem Moment wirklich helfen da einmal kurz durchzugehen und zu überlegen welche dieser beiden Sorten das gerade ist.
00:16:18: Also habe ich grad jemandem geschadet oder es jemand einfach mit meiner Entscheidung unzufrieden Denn das sind wirklich zwei sehr verschiedene Dinge, aber sie können sich im Bauch einfach ziemlich gleich anfühlen.
00:16:27: Und nicht weit verstehen.
00:16:28: also Menschen dürfen Bedürfnisse an mich haben und Sie dürfen die auch aussprechen!
00:16:32: Das finde ich sogar gut.
00:16:33: Also wenn jemand zu mir kommt und sagt, ich würde dich gern öfter sehen dann weiß ich woran ich bin.
00:16:37: Und ich kann darauf antworten.
00:16:39: Es gibt aber auch noch den Vorwurf also wenn jemand von sich aus erwartet dass ich mich auf eine bestimmte Art und Weise verhalte und mir dann vorwirft das ich das so anders gemacht habe Zum Beispiel wenn meine Mama zur Besuch kommen und mir da meine Oma vorhält dass sie ja schon solange nicht besucht haben Wenn sie mir vorhält, dass ich zu selten melde Statt dass sie mir einfach sagt, dass die sich mehr Kontakt wünscht Das ist einfach ein Bedürfnis von ihr in eine Form gebracht, die bei mir Schuld auslöst und diese Schuld wirkt dann in mir.
00:17:06: Und ich glaube auch dass das meistens ohne böse Absicht passiert.
00:17:09: Viele Menschen können ihre Bedürflisse einfach nicht aussprechen weil sie es nie wirklich gelernt haben und dann kommt häufig als Vorwurf raus.
00:17:16: Für mich hat's aber trotzdem was verändert das auseinander zu halten.
00:17:19: also auf dem bedürfnen kann ich eingehena Aber für den Gefühl das jemand hat weil ich mein Leben nach meinen Entscheidungen führe dafür bin ich einfach nicht zuständig.
00:17:27: Ich will dir hier nichts vormachen.
00:17:29: Weil sie die Menschen um dich herum, die sind wahrscheinlich gewöhnt dass du so bist wie du bist.
00:17:33: Wenn Du jahrelang dafür gesorgt hast das sich alle wohlfühlen und dann plötzlich anfängst einfach Dinge zu entscheiden die nur Dich betreffen Dann kann das erstmal zur Unmut führen.
00:17:42: Es kann sich für andere anführen als wärst Du egoistisch geworden Obwohl Du gerade nur aufgehört hast für Sie mitzudenken.
00:17:48: Was immer gut ist es wenn Du einfach offen und ehrlich kommunizierst.
00:17:51: Wenn du selbst ganz klar bist, dann kommt das bei deinem Gegenüber meistens auch an.
00:17:55: Meine Erfahrung ist dass die allermeisten Menschen das wirklich schnell akzeptieren also viel schneller als man jetzt befürchtet hätte.
00:18:01: aber es kann auch sein dass ein paar Beziehungen dabei wackeln.
00:18:04: Also wenn jemand in deinem Umfeld genau diese Eigenschaft an dir am meisten mochte also dass du zum Beispiel immer alles gemacht hast Dann lohnt es sich vielleicht diese Freundschaft an der Ruhe anzuschauen.
00:18:14: Das ist unangenehm und gleichzeitig sortiert ist auch ziemlich zuverlässig wer wirklich zu dir gehört.
00:18:19: Bei mir persönlich sind es jetzt nicht wirklich weniger Menschen geworden, aber bei einer Person muss ich wirklich kontinuierlich Grenzen setzen.
00:18:25: Aber bei den meisten sind die Verbindungen sogar tiefer und ehrlicher geworden.
00:18:29: Und es kann immer Situationen geben in denen du dich gerade nicht zeigen kannst – und das ist auch völlig in Ordnung!
00:18:34: Also wenn zum Beispiel dein Arbeitsplatz dir einfach wenig Gestaltungsspiramen lässt und wenn du von niemandem abhängig bist, dann ist dein Umfeld vielleicht gerade nicht sicher genug.
00:18:42: Und dann geht diese Sicherheit vor.
00:18:44: Du kannst dich dann vielleicht eher in kleinen Kreisen demaskieren und eher an anderer Stelle weiter angreifen.
00:18:49: also fang einfach dort an wo es sich für dich sicher anfühlt.
00:18:52: Ich bin mit diesem Thema auch noch nicht ganz durch, ich merke immer noch wie fein meine Antennen arbeiten sobald ich einen Raum betrete.
00:18:58: Und ich glaube auch nicht dass das jemals ganz aufhört!
00:19:01: Was sich aber verändert hat ist, dass ich das bemerke und dass ich danach wählen kann was ich damit mache.
00:19:05: also wenn du dich in irgendwas davon wiedererkannt hast dann nimm dir doch diese Woche eine kleine Sache vor.
00:19:10: und wenn es nur ist dass wenn dich das nächste mal jemand um etwas bittet dass du dann einfach kurz darüber nachdenkst und sagst du meldest dich am nächsten Tag nochmal.
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